Mythos 2002 gegen die Übermacht: Frankreich und Senegal vor einem geschichtsträchtigen WM-Spiel

Mythos 2002 gegen die Übermacht: Frankreich und Senegal vor einem geschichtsträchtigen WM-Spiel

Dieses Aufeinandertreffen ist von enormer historischer Bedeutung und lässt eine der größten Überraschungen der WM-Geschichte wieder aufleben. Für Frankreichs Chefcoach Didier Deschamps schließt sich bei dieser Weltmeisterschaft ein Kreis: Nach dem Turnier wird er sein Amt an die Ikone Zinedine Zidane abgeben. Ebendieser Zidane war verletzungsbedingt nicht im französischen Kader, als der krass Außenseiter Senegal im Eröffnungsspiel der WM 2002 die Fußballwelt verblüffte und den amtierenden Weltmeister mit 1:0 besiegte.

Zum Match-Center: Frankreich vs. Senegal

Knapp 24 Jahre später will Senegal diesen Coup wiederholen. Dass Außenseiter den Favoriten ärgern können, hat diese WM schon gezeigt: Erst am Montag erkämpfte sich der Debütant Kap Verde ein 0:0 gegen das Spitzenteam Spanien – eine klare Warnung an die Franzosen, keine Lockerheit zuzulassen. Deschamps selbst steht kurz vor einem historischen Meilenstein: Ihm fehlen nur noch fünf Spiele, um den Rekord für die meisten WM-Partien als Trainer (25) zu erreichen.

Sollte der Équipe Tricolore der große Coup glücken, würden sie Geschichte schreiben. Eine überzeugende Qualifikation mit fünf Siegen und einem Unentschieden untermauert den Titelanspruch. Zieht Frankreich erneut ins Finale ein, wäre es erst die dritte Nation, die drei WM-Endspiele in Folge erreicht.

Aber auch die Westafrikaner kommen mit viel Selbstvertrauen. Senegal blieb in der Qualifikation ebenfalls ungeschlagen (sieben Siege, drei Unentschieden) und nimmt zum dritten Mal in Folge an einer WM teil. Nach dem schmerzhaften Verlust des AFCON-Titels zu Jahresbeginn wegen eines umstrittenen Elfmeters im Finale für Marokko ist das Team von Pape Thiaw hochmotiviert, auf der großen Bühne ein deutliches Zeichen zu setzen. Das Minimalziel: den bisher größten Erfolg, das legendäre Viertelfinale von 2002, zu übertreffen.

Die Statistiken deuten auf ein offenes und spannendes Spiel hin. Seit der bitteren Niederlage 2002 hat Frankreich kein WM-Auftaktmatch mehr verloren (drei Siege, zwei Unentschieden), allerdings verlor man drei der letzten vier WM-Partien gegen afrikanische Gegner. Senegal dagegen plagen defensive Probleme: Seit dem Zu-Null-Erfolg gegen Frankreich vor 24 Jahren gelang in elf WM-Spielen in Folge kein sauberes Blatt mehr. Der Einzug in die nächste Runde hängt stark von der taktischen Disziplin gegen Frankreichs schnelle Offensive ab.

Tore scheinen so gut wie sicher: In fünf der letzten sieben WM-Spiele Senegals fielen mehr als 2,5 Treffer – das deckt sich mit Frankreichs Form: auch sie erzielten in fünf der letzten neun Pflichtspiele mehr als 2,5 Tore.

Duell der Superstars: Mbappé gegen Mané

Im Mittelpunkt stehen die Offensivstars beider Mannschaften. Auf senegalesischer Seite ruhen die Hoffnungen auf Ismaila Sarr, dem frischgebackenen Conference-League-Gewinner von Crystal Palace. Er war in sieben seiner letzten acht Länderspiele an Toren beteiligt und erzielte dabei stets den wichtigen Führungstreffer. Auf der anderen Seite Superstar Kylian Mbappé: Nach einer für seine Maßstäbe durchwachsenen Saison bei Paris will er im Nationaldress brillieren. Mit 12 WM-Toren hat er den Allzeitrekord von Miroslav Klose (16 Treffer) fest im Blick.

Mbappé wird von einer Offensive der Extraklasse unterstützt. Bayern-Profi Michael Olise spielt seine beste Saison (22 Tore, 27 Vorlagen in Liga und Champions League) und bestätigte seine Form zuletzt mit einem Hattrick beim 3:1-Testsieg gegen Nordirland. Auch Ballon d'Or-Gewinner Ousmane Dembélé kommt mit großem Selbstvertrauen, nachdem er mit PSG – trotz schwächerer Torausbeute in der Ligue 1 – den zweiten Champions-League-Titel in Folge holte. Seine Unberechenbarkeit und Beidfüßigkeit werden die senegalesische Abwehr vor große Probleme stellen.

Für Senegals Publikumsliebling Sadio Mané wird sich mit 34 Jahren wohl das WM-Kapitel schließen. Auch wenn er inzwischen in der Saudi Pro League spielt, hat der erfahrene Angreifer seinen Torinstinkt nicht eingebüßt. Gemeinsam mit seinen Mitspielern blickt er auf ein starkes Jahr 2026 zurück (fünf Siege, ein Unentschieden im letzten Test gegen Saudi-Arabien und nur eine Niederlage).

Da beide Trainer auf offensiven und mutigen Fußball setzen, können die Fans ein spektakuläres Duell erwarten. Wer hier die drei Punkte holt, legt nicht nur den Grundstein für das Achtelfinale, sondern sendet auch ein starkes Signal an die Konkurrenz.