Exklusiv: Wir setzen uns keine Grenzen. Danso gibt Marschrichtung vor dem WM Auftakt vor
Es dauerte achtundzwanzig Jahre, bis Österreich sich erneut für eine Weltmeisterschaft qualifizierte. Eine gefühlte Ewigkeit lag zwischen Wien und diesem Ereignis. Und genau diese Generation um Rangnick, Sabitzer und Danso beendete diese Durststrecke.
Nur wenige Wochen vor dem ersten Spiel bereitet sich der Tottenham Profi auf das wichtigste Turnier seiner Karriere vor. Dabei zeigt er eine beeindruckende Gelassenheit. In seinem Inneren herrscht die ruhige Überzeugung: Österreich fährt nicht nur zur Teilnahme.
Kevin, Sie nehmen an einer Weltmeisterschaft teil. Wenn Sie diesen Satz hören, welches Gefühl kommt Ihnen als Erstes in den Kopf?
Sehr viel Stolz. Für ein Kind ist die WM der absolute Traum. Ich habe zeitlebens dafür gearbeitet, einen solchen Augenblick zu erleben. Heute bin ich vor allem unendlich dankbar gegenüber allen Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet haben. Zugleich freue ich mich enorm darauf, mein Land auf der größten Bühne des Weltfußballs zu vertreten.
Österreich ist nach 28 Jahren zurück bei einer WM. Spüren Sie eine besondere Begeisterung rund um diese Generation?
Ja, auf jeden Fall. Wir sind uns vollkommen im Klaren darüber, dass wir die Möglichkeit haben, ein historisches Kapitel im österreichischen Fußball zu schreiben. Die Euphorie im Land ist enorm, denn die Leute erkennen, dass in dieser Mannschaft etwas Besonderes wächst. Wir besitzen die Klasse, aber was uns wirklich hervorhebt, sind der starke Zusammenhalt und unsere gemeinsame Mentalität.
Haben Sie den Eindruck, dass diese Endrunde genau zum richtigen Zeitpunkt Ihrer Karriere kommt?
Ich glaube schon. Ich habe in unterschiedlichen Spitzenligen wertvolle Erfahrungen gesammelt, und jede Station hat mich vorangebracht. Heute bin ich vollständiger, reifer und auch ruhiger als jemals zuvor. Ich vertraue auf meine Stärken und auf die Routine, die ich mir in den vergangenen Jahren erarbeitet habe.
Betrachten Sie sich selbst als Führungsspieler in dieser Mannschaft?
Ich bin nicht der Typ, der in der Kabine große Reden hält, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich versuche eher, jeden Tag mit gutem Beispiel voranzugehen, durch meine Arbeit, meine Einstellung und meine Leistung auf dem Spielfeld. Mit der Erfahrung wächst man ganz automatisch in diese Verantwortung. Wenn ich den jüngeren Spielern helfen oder dem Team Stabilität verleihen kann, mache ich das sehr gerne.
Wie würden Sie die Identität der derzeitigen österreichischen Nationalmannschaft beschreiben?
Unsere Identität basiert auf Intensität, Mut und taktischer Disziplin. Wir sind eine absolute Einheit, die füreinander bis an die Schmerzgrenze geht. Keiner stellt sein Ego über die Mannschaft. Wir möchten im positiven Sinne aggressiv sein, hoch pressen, mit viel Energie agieren und dem Spiel unseren Stempel aufdrücken.
Was hat Ralf Rangnick seit seinem Amtsbeginn konkret anders gemacht?
Er hat eine klare Philosophie mitgebracht. Jeder weiß genau, was von ihm verlangt wird. Er hat uns eine echte Identität und vor allem diesen Hunger nach Erfolg gegeben. Er fordert uns ständig heraus, die Komfortzone zu verlassen, und stärkt uns das Vertrauen, dass wir auch gegen die größten Nationen der Welt ebenbürtig konkurrieren können.
Wie würden Sie Ihren eigenen Spielstil beschreiben?
Ich verteidige sehr gerne offensiv. Ich bin ein Spieler, der den direkten Zweikampf sucht, körperliche Präsenz zeigt und seine Mitspieler absichert. Aber der moderne Fußball benötigt auch enorme Ruhe am Ball und eine kluge Entscheidungsfindung. Deshalb versuche ich stets, gesunde Aggressivität, Spielintelligenz und Qualität im Spielaufbau miteinander zu kombinieren.
Was wäre für Österreich am Ende eine erfolgreiche Weltmeisterschaft?
Der erste wichtige Schritt ist natürlich das Überstehen der Vorrunde. Aber wir setzen uns auf keinen Fall Grenzen nach oben. Bei einem Turnier wie einer WM ist alles möglich, wenn man als geschlossene, ambitionierte Einheit auftritt. Wir begegnen jedem Gegner mit großem Respekt, aber wir reisen dorthin, um etwas ganz Großes für unser Land zu erreichen.