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AUSSCHLUSS: Borussia Mönchengladbach Talents Fabio Chiarodia zu Vorbild Chiellini und Partie mit Wolfsburg

AUSSCHLUSS: Borussia Mönchengladbach Talents Fabio Chiarodia zu Vorbild Chiellini und Partie mit Wolfsburg

Einfach und bodenständig wirkt Fabio Chiarodia in den Sozialen Medien. Vor den Matches hat er kaum feste Gewohnheiten, ausgenommen eine Kleinigkeit: Zuerst kommt der linke Schuh dran, dann der rechte. Jede Begegnung ist für ihn gleich wichtig, daher bereitet er sich auf alle mit voller Konzentration vor. Seine tägliche Pasta Portion lässt er sich nicht nehmen. Der Verteidiger erzählt flüssig auf Italienisch von seinen Einsätzen in der U21 und dem aktuellen Stand bei Borussia Mönchengladbach.

Herr Chiarodia, Sie sind in Deutschland geboren und aufgezogen worden. Wie entstand der Kontakt zum italienischen Verband?

Mit 14 Jahren war ich in der Jugendmannschaft von Werder Bremen aktiv. Ein Scout aus Italien, der in Deutschland tätig war, kontaktierte meine Eltern und empfahl mich für die U15. Ich stimmte sofort zu. Für Italien anzutreten war seit Langem mein großer Wunsch.

Was verbindet Sie derzeit mit Italien?

Früher fuhren wir jeden Sommer in den Urlaub dorthin. Die Begeisterung für die Azzurri habe ich vor allem von meinem Vater übernommen. Er kommt aus Venetien und redet oft Dialekt, während ich mit meiner Mutter aus dem Friaul hauptsächlich Standard Italienisch spreche.

Gibt es italienische Clubs, die Sie besonders interessieren?

Auch das hat mein Vater beeinflusst: Ich teile seine Vorliebe für Juventus Turin und selbstverständlich für die Nationalelf.

Bei den TV Übertragungen von Spielen zwischen Italien und Deutschland, wem haben Sie dann den Daumen gehalten?

Ich habe stets auf Italien gesetzt. Das bleibt auch so.

Wer motiviert Sie stärker: Giorgio Chiellini oder Mats Hummels?

Definitiv Chiellini (lacht). Ich habe ihn kennengelernt, er ist eine inspirierende Figur. Wir sind beide Linksfüßer, obwohl ich spielerisch eher an Leonardo Bonucci erinnere, weil ich den Ballaufbau mag. Doch Chiello hat jahrelang auf höchstem Niveau für Juventus und Italien gespielt, er ist mein echtes Idol.

Ist es ein Traum, irgendwann bei Juventus in seine Schritte zu folgen?

(Lacht) Das zeigt sich mit der Zeit. In einer Laufbahn muss man Optionen wählen, die einem weiterhelfen. Es ist zu früh für konkrete Pläne.

Sie sind in Ihrer dritten Bundesliga Saison. Letztes Jahr erzielten Sie gegen Hoffenheim Ihr erstes Profi Tor im Chiellini Stil: per Kopfball aus dem Eckball.

Richtig, nach rund fünf Minuten. Der Treffer zum 1:0 war entscheidend. Es war ein unvergessliches Empfinden, vor allem da meine ganze Familie im Stadion saß. Reine Euphorie.

Als Verteidiger, was bevorzugen Sie: das vorausschauende Lesen des Spiels oder den harten Zweikampf?

Das Vorhersagen hilft der Mannschaft häufig, rasch in die Offensive zu wechseln. Aber ja, ein siegreicher Duell bringt viel Energie. Es kommt einem eigenen Tor gleich.

Am Wochenende erwartet Borussia Mönchengladbach ein entscheidendes Auswärtsspiel gegen Wolfsburg im Ringen um den Verbleib in der Liga.

Noch vier Partien vor uns, und wir wollen sie alle holen, unabhängig vom Gegner. Dieses Match ist jedoch zweifellos schlüsselartig, es fühlt sich an wie ein erstes Final.

Studieren Sie Ihre Gegner im Voraus?

Das tue ich stets, egal wer der Rivale ist. Wolfsburg hat starke Akteure, etwa Eriksen, der bei Inter schon seine Klasse bewiesen hat.

Eine Muskelverletzung hielt Sie dieses Jahr fast vier Monate fern. Wie haben Sie diese Phase genutzt?

Es war eine wertvolle Lernerfahrung. Ich trainierte viel allein, körperlich und geistig. Seltsamerweise war es positiv, da ich viel über mich selbst lernte. Es war meine erste ernste Verletzung, und ich erlebte zum ersten Mal, wie es ohne Fußball ist. Das formte mich, und im Fitnessraum gewann ich fünf bis sechs Kilo Muskeln.

Bei Borussia arbeiten Sie mit Oliver Neuville, dem Vizeweltmeister von 2002.

Wir verstehen uns ausgezeichnet. Da er in der Schweiz aufwuchs, plaudern wir oft auf Italienisch. Obwohl er hauptsächlich Stürmer coacht, besprechen wir uns intensiv.

Wie nähert man sich mental einem Entscheidungsspiel wie gegen Wolfsburg?

Die Vorbereitung läuft wie bei jedem anderen Match. Allerdings wissen wir um die Wichtigkeit für unser Ziel. Gegen einen Star wie Eriksen zu stehen, treibt mich zu Höchstleistungen an.

Wer war bislang Ihr zähtester Gegner?

Harry Kane. Er ist technisch und physisch einzigartig unter den Mittelstürmern. Ich analysiere alle Gegner genau, aber gegen ihn ist es eine echte Prüfung.

Wie läuft es in der italienischen U21?

Die Truppe ist super und vielfältig kulturell. Wir albern viel herum, besonders mit Filippo Mane aus Dortmund. Ich hänsele ihn gelegentlich und behaupte, er sei schon zu deutsch (lacht).

In Dortmund agieren weitere junge Talente wie Samuele Inacio und Luca Reggiani. Pflegen Sie Umgang mit ihnen?

Nicht sehr oft, obwohl ich nur ungefähr 100 Kilometer entfernt lebe. In der Freizeit treffe ich meist lokale Freunde. Aber nächste Woche treten wir gegeneinander an, das freut mich sehr.

U21 Coach Silvio Baldini übernimmt im Juni vorübergehend die A Auswahl. Gerüchte deuten auf U21 Spieler hin...

Ich habe davon bisher nichts gehört. Die A Mannschaft ist natürlich der absolute Traum. Jeder italienische Junge sehnt sich nach diesem Trikot. Es wäre eine immense Auszeichnung.

Da es um Testspiele geht, könnten Sie prinzipiell noch für Deutschland auflaufen.

Mein Herz gehört Italien. Das war immer mein Ziel und meine Wahl.

Die U21 wirkt wie eine eingeschworene, ethnisch gemischte Gruppe.

Genau. Wir kommunizieren alle auf Italienisch, auch die, die anfangs noch unsicher waren, weil sie im Ausland groß wurden. Der Zusammenhalt ist perfekt.

Ist Trainer Baldini so etwas wie ein Mentor für Sie?

Er bringt reichlich Erfahrung und schaut über den Athleten hinaus auf die Person. Während meiner Verletzung fragte er oft nach meinem Zustand.

Man sagt, unter ihm gelten Handys als verboten?

Stimmt. Bei gemeinsamen Mahlzeiten sind Smartphones tabu. Ich finde das klasse, denn so unterhalten wir uns mehr und wachsen als Team näher zusammen.

Auch online halten Sie sich bedeckt. Ihr Instagram ist recht schlicht.

Ich gebe nicht viel auf Soziale Medien. Nach einem schwachen Spiel zieht jede Post Kritik an, das vermeide ich.

In der U19 teilten Sie das Team mit Nachwuchsstars wie Palestra und Bartesaghi, die jetzt vor dem Sprung stehen. Sind sie Italiens Zukunft?

Ohne Zweifel. Man erkennt schon ihr Potenzial. Beide sind robuste Spieler, die trotz allem bescheiden und sympathisch bleiben. Insgesamt wimmelt es im italienischen Jugendbereich von Talenten.

Belastet einen wie Francesco Camarda der Druck zu sehr?

Ich kenne keinen solchen Rummel um mich, vielleicht weil ich kein Angreifer bin. Er ist jung, hat aber schon Serie A Minuten. Er ist richtig unterwegs und wird seine Qualitäten weiter zeigen.

Wie haben Sie Italias WM Verpassen letztes Mal empfunden?

Ich war im U21 Lager, und die Enttäuschung war enorm. Es schmerzte, die dritte WM in Serie zu versäumen. Doch nun konzentrieren wir uns auf die nächste EM.

Die U21 EM 2027 ist für eure Generation ein hohes Ziel.

Zuerst die Quali meistern (lacht). Ich bin nicht allzu abergläubisch, aber rechnerisch ist das noch offen.