"Zutrauen enorm": Neuendorf glaubt an erfolgreiche WM – Rückendeckung für Nmecha
Eine wirkliche Zielvorgabe aber sei "extrem schwierig, weil die Leistungsdichte mittlerweile so hoch ist. Da ist es oft auch ein Glücksfaktor, ob man weiterkommt oder nicht. Das haben wir bei der Europameisterschaft 2024 im eigenen Land leidvoll erfahren."
Optimistisch stimmt Neuendorf der Teamgeist. "Man hat gesehen, wie alle bei den Toren mitgegangen sind", sagte er über den Jubel nach den Treffern gegen die Elfenbeinküste (2:1) und betonte: "Das haben wir beim DFB auch nicht immer so gehabt. Ich nehme einen großen Zusammenhalt wahr. Das ist ein Verdienst des Trainerteams hinter dem Team, die dafür sorgen, dass der Fokus auf dem Fußball liegt und die Gemeinschaft stimmt."
Nmechas Glaubensbekenntnisse
Und dann hat Deutschland ja auch immer noch Deniz Undav. "Es ist einfach phänomenal, wie er von der Bank kommt, sich nahtlos in das Spiel einfügt und überhaupt keine Anlaufzeit braucht und mit welcher Selbstverständlichkeit er die Aufgabe wahrnimmt, die ihm zugedacht ist", schwärmte Neuendorf vom Stuttgarter Super-Joker. "Er denkt wenig nach, wenn er den Ball in der Box bekommt und versucht, das Beste draus zu machen." Undav habe es "hervorragend gemacht".
Im starken Glauben von Felix Nmecha sieht Neuendorf unterdessen nichts Verwerfliches. "Die Intention, die er damit verfolgt, ist positiv. Dass man über das Fußballspielen hinaus für ganz bestimmte Dinge steht, für Menschlichkeit und Respekt", sagte der Verbandschef und betonte: "Das nehme ich ihm hundertprozentig ab. Er ist ein sehr sensibler Mensch und steht für christliche Werte."
Zu den Vorwürfen gegen Nmecha in Bezug auf transfeindliche und homophobe Postings in der Vergangenheit im Netz meinte Neuendorf: "Wir haben seinerzeit die Berichterstattung auch beim DFB verfolgt und seine Einlassungen dazu gehört. Er hat das zurechtgerückt, sich klar positioniert und von solchen Vorwürfen distanziert." Hat sich Nmecha aus voller Überzeugung entschuldigt? "Ja, das würde ich schon so sagen", meinte Neuendorf: "So, wie ich ihn kenne oder erlebe, sehe ich das so."
Neuendorf versteht aber auch die Kritiker. "Ich glaube, das Bekenntnis zu Gott, das hier stattfindet, sein Glaube, den er verkörpert und - übrigens ja auch mit anderen Spielern - zum Ausdruck bringt, ist in einer säkularisierten Welt für einige Menschen vielleicht etwas ungewöhnlich", sagte er.
Diskussionen über Postings in der Vergangenheit
Nmecha hatte sich nach dem deutschen WM-Auftaktsieg gegen Curacao (7:1) mit seinem Mitspieler Jonathan Tah und gegnerischen Akteuren auf dem Platz zu einem "Bibelkreis" zusammengefunden. Die Gruppe habe zeigen wollen, sagte Nmecha, "dass wir Brüder in Christus sind und es im Leben mehr gibt als Fußball".
Dass sich der Dortmunder mitunter an der Grenze zum Missionarischen bewegt, hat ihm aber auch schon Ärger eingebracht: Nmecha ist ein Posterboy der "Ballers in God", der Vereinigung der evangelikalen Fußballer. Er teilte und likte im Netz Inhalte, die als homo- und transphob gewertet werden können.