Iraner überzeugen sportlich - und wünschen sich "Respekt und Frieden"

Iraner überzeugen sportlich - und wünschen sich "Respekt und Frieden"

Dabei werden die Iraner bei der WM weiter alles andere als herzlich behandelt, die Anreise vom Teamcamp im mexikanischen Tijuana zum Spielort war erneut beschwerlich. Erst 16 Stunden vor dem Anpfiff erreichte das Team Los Angeles - ein Antrag, wegen der frühen Anstoßzeit (12.00 Uhr Ortszeit) zeitiger ins Land zu reisen, wurde abgelehnt. Die US-Behörden hatten mehreren Mitgliedern der iranischen Delegation kein Visum ausgestellt und dabei nach Sicht des iranischen Verbandes keine oder unzureichende Gründe angegeben. An dieser Haltung ändern auch die derzeit laufenden Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran nichts.

Zum Match-Center: Belgien vs. Iran

Der Ton vonseiten des iranischen Verbandes ist ohnehin scharf. Alle Mitglieder der Delegation hätten "kein persönliches Interesse oder Motiv, sich in den USA aufzuhalten, einem Land, das gegen geltendes Recht verstößt", hieß es in einer Mitteilung: "Sämtliche Visaangelegenheiten wurden ausschließlich unternommen, um die iranische Nationalmannschaft zu begleiten und ihre Pflichten im Rahmen der FIFA-Weltmeisterschaft zu erfüllen." Der iranische Fußball würde zum "Opfer politischer Einflussnahmen" und das Team vorsätzlich in seinen Abläufen gestört.

Dankesbotschaft in der Kabine

Die US-Behörden bleiben hart, kommunizieren ihrerseits schroff. Beide Seiten erheben Vorwürfe, veröffentlichen Stellungnahmen, die wiederum Reaktionen hervorrufen - der Weltverband FIFA hält sich in der Causa weitgehend zurück. Davon scheinbar unbeeindruckt treten die Iraner auf dem Platz als Einheit auf, ihr Torhüter Beiranvand parierte gegen Belgiens Altstars Kevin De Bruyne, Romelu Lukaku und Co. mehrfach bravourös - und so kann sich das Team durchaus Chancen aufs Erreichen der K.o.-Phase ausrechnen. Am Samstag (5.00 Uhr MESZ/MagentaTV) steht das abschließende Gruppenspiel an, in Seattle geht es gegen Ägypten.

Neben der abermals beschwerlichen Einreise werden sich die Iraner auch erneut auf Pfiffe bei der Nationalhymne einstellen. Schon bei den ersten beiden Gruppenspielen in Los Angeles hatten Tausende regimekritische Exil-Iraner lautstark gegen die Hymne protestiert. Ungeachtet dessen bedankten sich die Spieler in ihrer Botschaft bei "allen Iranern, die während dieser 180 Minuten mit ganzem Herzen, ihrer Stimme und ihrem ganzen Wesen für den Iran eingetreten sind".