WM unter Auflagen: Iran schimpft über "politische Einmischung in schlimmster Form"
Zwar schien das größte Politikum im Vorfeld der WM in den USA, Mexiko und Kanada am Freitag zunächst beseitigt, als der US-Botschafter in der Türkei, Tom Barrack, auf X verkündete, dass das iranische Team in die USA einreisen dürfe. Von iranischer Seite jedoch gab es prompt heftige Kritik: "Sie haben die willkürliche und diskriminierende Behandlung des iranischen Teams auf die höchste Stufe gehoben", schrieb der Botschafter in der Türkei. Der Grund: 15 Personen der Delegation wurde die Visa-Erteilung verweigert. So vermeldete es das iranische Staatsfernsehen.
Doch damit nicht genug: wie Irans Botschafter in Mexiko, Abolfazl Pasandideh, am Samstag sagte, darf sich das Team ausschließlich an Spieltagen in den USA aufhalten. Die Mannschaft muss sich deshalb auf enorme Reisestrapazen einstellen: Das Teamquartier hat der Verband zwar bereits im Mai von Tucson im US-Bundesstaat Arizona ins mexikanischen Tijuana nahe der Grenze verlegt, die ersten beiden Vorrundenpartien am 16. Juni gegen Neuseeland (18.00 Uhr Ortszeit) und Belgien am 21. Juni (12.00 Uhr Ortszeit) steigen jedoch in Los Angeles.
"Politische Einmischung" bei der WM?
Zum Abschluss geht es am 27. Juni in Seattle um 20.00 Uhr Ortszeit gegen Ägypten, die Stadt liegt über 1700 Kilometer Luftlinie vom Teamquartier entfernt. Nach Abpfiff blieben der Mannschaft knapp zwei Stunden, um die USA wieder zu verlassen.
Auch der iranische Fußballverband kocht angesichts der Umstände vor Wut und bezeichnete die Entscheidung rund um die verweigerten Visa als "politische Einmischung in den Sport in ihrer schlimmsten Form." Verbandspräsident Mehdi Taj soll zu jenen Personen gehören, die nicht in die USA einreisen dürfen.
Ein Vertreter der US-Regierung hatte im Zuge der Visa-Vergabe erklärt, dass man nicht zulassen werde, "dass die iranische Mannschaft dieses System missbraucht, um unter falschen Vorwänden Terroristen in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln." Wie iranische Medien in der Diaspora berichteten, soll Taj selbst einst Mitglied der Revolutionsgarden im Iran gewesen sein.
Seit die USA gemeinsam mit Israel Ende Februar begann, Iran zu bombardieren, schwelt die Debatte zu den Umständen der WM-Teilnahme der iranischen Nationalmannschaft. Und selbst wenn die Turnierreise des Teams nun begonnen hat - auch mit Anpfiff der ersten Partie gegen Neuseeland dürfte das Politikum noch lange nicht beendet sein.