Bereit für die Geschichtsbücher: Südafrikas Comeback auf der Weltbühne

Bereit für die Geschichtsbücher: Südafrikas Comeback auf der Weltbühne

Noch heute erinnert man sich stolz an Siphiwe Tshabalalas legendäres Führungstor in Johannesburg und den ohrenbetäubenden Jubel, der damals den gesamten afrikanischen Kontinent vereinte. Doch abseits der Romantik blieb 2010 auch ein historischer Makel: Südafrika schied trotz eines späten Sieges gegen Frankreich als erster Gastgeber der WM-Geschichte bereits in der Gruppenphase aus.

Die Hoffnung, dass das Heimturnier eine Renaissance des südafrikanischen Fußballs einläuten würde, erfüllte sich zunächst nicht. Nach den erfolgreichen Jahren um die Jahrtausendwende entwickelte sich Tshabalalas historisches Tor im Rückblick eher zum sportlichen Höhepunkt der ersten zwei Jahrzehnte dieses Jahrhunderts. Südafrika verpasste die folgenden drei Weltmeisterschaften und enttäuschte regelmäßig beim Afrika-Cup, für den man sich zwischen 2010 und 2021 viermal nicht einmal qualifizieren konnte.

Südafrika mit Pragmatik zum Erfolg

Erst in jüngster Zeit kehrte der Glaube zurück: Angetrieben vom dritten Platz beim Afrika-Cup 2023 gelang den Südafrikanern nun die erste sportliche WM-Qualifikation seit 24 Jahren. Nach dem Ende der Apartheid 1993 ist es die vierte WM-Teilnahme des Landes, und das Ziel ist klar: die historische Hürde der Gruppenphase zu überspringen.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn "Bafana Bafana" ist traditionell ein unangenehmer Gegner, der historisch gesehen nur drei von neun WM-Spielen verloren hat. Unter der Leitung des erfahrenen belgischen Trainers Hugo Broos hat die Mannschaft nach einer Auftaktniederlage beim Afrika-Cup 2023 einen pragmatischen Stil entwickelt. Broos erkannte, dass attraktiver Fußball allein nicht reicht, und setzte fortan auf Intensität, physische Stärke und defensive Widerstandskraft.

Zwar wird das Team in Nordamerika kaum Schützenfeste feiern – in der Qualifikation übertraf die Torausbeute von 17 Treffern sogar den statistisch erwarteten Wert von knapp 13 Toren –, doch die Defensivwerte sind beeindruckend. In zehn Qualifikationsspielen ließ die Abwehr nur sechs Gegentore und im Schnitt gerade einmal zwei Torschüsse pro Spiel zu.

Im Gegensatz zu den WM-Kadern von 1998 oder 2002, die mit Stars wie Benni McCarthy oder Lucas Radebe gespickt waren, fehlt es dem aktuellen Team an großen Namen. Burnley-Stürmer Lyle Foster ist der einzige Akteur aus der englischen Premier League, und mit ihm und Routinier Themba Zwane weisen nur zwei Spieler mehr als zehn Länderspieltore auf. Statt auf individuelle Geniestreiche setzt Südafrika daher auf Teamwork und ein extrem schnelles Umschaltspiel.

Blockbildung als Schlüssel zum Erfolg?

Eine Schlüsselrolle nimmt dabei Flügelspieler Oswin Appollis ein, der in der heimischen Liga die meisten gefährlichen Sololäufe verzeichnete. Noch mehr Vorfreude weckt das 21-jährige Toptalent Relebohile Mofokeng, der mit der Rückennummer 10 aufläuft und Orlando Pirates mit zehn Toren und den meisten Assists der Liga zur Meisterschaft schoss.

Trainer Hugo Broos hofft zudem darauf, dass der Kader eine Gewinnermentalität auf den Platz bringt. Acht Akteure kommen vom Meister Orlando Pirates, weitere sechs vom Klub-WM-Teilnehmer Mamelodi Sundowns, der kürzlich als erst zweites südafrikanisches Team seit den 1990er-Jahren die CAF Champions League gewann.

Dennoch verlief die unmittelbare Vorbereitung auf das Turnier alles andere als reibungslos. Neben einem bürokratischen Fehler in der Qualifikation, der fast das Ticket gekostet hätte, sorgten jüngst Visa-Probleme für eine verzögerte Abreise nach Mexiko. Auch sportlich gab es Dämpfer: Ein torloses Testspiel gegen Nicaragua offenbarte trotz 86 Prozent Ballbesitz spielerische Mängel gegen tiefstehende Gegner – kaum die richtige Generalprobe für die kommenden Aufgaben.

Trotz dieser Stolpersteine im Vorfeld ist der Optimismus im Lager der Südafrikaner ungebrochen. Die Gruppe A, in der die Auswahl neben Mexiko auch auf Südkorea und Tschechien trifft, gilt als extrem ausgeglichen und offen. Die Generation um Lyle Foster, die 2010 noch als Kinder vor den Fernsehern saß, hat nun die große Gelegenheit, das Versäumnis ihrer Idole von damals nachzuholen.