"Wenn Manu spielt...": Nagelsmanns Torwart-Plan auch Nominierung nebulös

"Wenn Manu spielt...": Nagelsmanns Torwart-Plan auch Nominierung nebulös

"Wenn Manu spielt", erklärte der Bundestrainer bei der Bekanntgabe des WM-Kaders zur überraschenden Rückkehr des Rio-Weltmeisters, dann "unterstützt er das Team." Allerdings gab es in letzter Zeit auch Phasen, "in denen er nicht im Einsatz war. Solche Situationen können bei uns ebenfalls auftreten. Man darf sich nicht täuschen, sondern muss dies einkalkulieren."

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Baumann als "Weltklasse-Ersatz"

Nagelsmann hat dies berücksichtigt. Und nicht nur für Neuer lobende Worte gefunden. Der erfahrene Spieler, so der Bundestrainer im Nominierungsvideo über den Bayern-Kapitän, sei "jahrelang das Vorbild aller Torhüter" gewesen – und sei es "mit 40 immer noch". Er rief ihm zu: "Zeig den Manuel Neuer, mit all deinem Können! (...) Spiele noch eine großartige WM!"

Sollte jedoch auch im Quartier in Winston-Salem mal die Wade zwickern, gibt es immer noch die "Weltklasse-Ersatzlösung" Oliver Baumann. Nagelsmann verwies ausdrücklich auf Neuers Verletzungsprobleme, als er betonte: "Deshalb war es mir so wichtig, Olli mein vollstes Vertrauen auszusprechen."

Der Bundestrainer hat dem Hoffenheimer zwar mitgeteilt, dass er entgegen früheren Zusagen nun doch nicht als Nummer 1 zur WM reisen werde – "ein Schock für Olli", wie Nagelsmann zugab. Gleichzeitig bescheinigte er ihm jedoch die Fähigkeit, jederzeit für den Spieler einspringen zu können, der ihn gerade verdrängt hat.

Nagelsmann vollzieht damit eine Wende, die an die Situation beim FC Bayern erinnert, die dieser Saison schrittweise eingeführt wurde und ab August verstärkt umgesetzt werden soll. Dort praktiziert "Mentor" Neuer mit seinem Nachfolger Jonas Urbig ein Jobsharing – und wird dem 22-Jährigen in der kommenden Saison noch mehr Spiele überlassen (müssen).

Nagelsmann verlässt sich auch auf Baumann

Urbig ist praktischerweise bei der WM dabei, als "Trainings-Torwart" hinter der Nummer 3 Alexander Nübel. "Der aufgeweckte Junge" (Nagelsmann) könnte jedoch wie in München jederzeit in den Kader aufrücken, falls Neuer oder ein anderer Torwart schwerer verletzt ausfällt.

Der Torwart-Plan birgt Risiken – nicht nur wegen Neuers Wade. Baumann habe sich nach seiner Degradierung "außerordentlich verpflichtet gegenüber dem Team gezeigt, dass er sie niemals im Stich lassen würde", betonte der Bundestrainer. Doch wie belastbar ist dieses Versprechen angesichts der empörten Reaktionen aus Hoffenheim?

Nicht nur kritisierte Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker "die Kommunikation und den Stil" des Bundestrainers. TSG-Torwarttrainer Marjan Petkovic postete ein Foto mit Baumann online, dazu die Zeile: "Die Nummer 1 – sportlich und menschlich." Baumann teilte das Bild demonstrativ in seiner Instagram-Story.

Der Bundestrainer erhielt jedoch auch Unterstützung. Neuer, so Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, bleibe nach wie vor "einer der besten Torhüter der Welt. Wenn ein Vinicius allein auf Manu zuläuft, hat er schon einen kleinen Schreck in der Hose." Oder Gedanken an die Wade im Kopf.