Völler erwartet von Neuer ein Super-Turnier. Schult steht dem Comeback skeptisch gegenüber.
Die Rückkehr des Weltmeisters von 2014 wird nicht von allen euphorisch begrüßt. Almuth Schult, ehemalige Nationaltorhüterin und Rio-Olympiasiegerin, gab sich im Interview mit dem RND deutlich zurückhaltend. Sie räumte ein, dass Neuer mit 40 Jahren nach wie vor 'der beste Torwart der Welt' sei, wenn er seine Höchstleistung bringe. Allerdings habe die vergangene Saison gezeigt, 'dass er nicht durchgehend auf seinem Spitzenniveau spielt'.
Außerdem rief Schult dazu auf, vergangene Turniere realistisch zu betrachten. Sie betonte: 'Man sollte nicht vergessen, dass Neuer bei den letzten Turnieren nicht ausschlaggebend war, um die deutsche Nationalmannschaft vor dem Ausscheiden zu bewahren.'
Sie möchte die endgültige Beurteilung nicht von den ersten Gruppenspielen abhängig machen. Selbst ein Fehler sei verzeihbar, am Ende zähle etwas anderes: 'Entscheidend ist, ob Manuel Neuer die Deutschen einmal in die nächste Runde führt.'
Völler steht hinter Neuer
Die sportliche Führung des DFB hingegen zeigt sich völlig unbeeindruckt. Sportdirektor Rudi Völler versuchte im Gespräch mit der Bild, alle Zweifel auszuräumen. Neuer hatte die beiden letzten Testspiele gegen Finnland (4:0) und den Probelauf gegen die USA in Chicago (2:1) aufgrund einer Wadenverletzung verpasst. Doch Völler gab Entwarnung: Der Torwart habe bereits wieder mit dem Team trainiert und bewiesen, dass die Wade kaum noch Probleme bereite.
Für Völler ist die Klasse des erfahrenen Keepers unbestritten: 'Selbst wenn er kein Testspiel mehr bestreitet: Wir sprechen hier über Manuel Neuer! Er ist ein Torwart von Weltrang, der in seiner Laufbahn schon alles erlebt hat und über reichlich Erfahrung verfügt. Er wird ein herausragendes Turnier absolvieren, da bin ich mir sicher. Um Manuel brauchen wir uns keine Gedanken zu machen.'
Wenn alles nach Plan verläuft, wird Neuer beim deutschen Auftaktspiel am 14. Juni in Houston gegen den Außenseiter Curacao von der ersten Minute an im Tor stehen.
Hoffnungsträger vor Neuer: Wirtz und Musiala im Brennpunkt
Während hinten die Routine von Neuer für Stabilität sorgen soll, setzt Deutschland in der Offensive auf zwei herangereifte Ausnahmespieler. Rudi Völler unterstrich die außerordentliche Wichtigkeit von Florian Wirtz und Jamal Musiala (beide 23).
Vor zwei Jahren galten sie noch als die Rohdiamanten der Mannschaft, nun seien beide weiter gereift. Trotz kleinerer Hindernisse im Vorfeld, wie Musialas Rückkehr nach einer schweren Verletzung und Wirtz' anstrengender Phase in Liverpool, machen beide in der Vorbereitung einen ausgezeichneten Eindruck. 'Ohne sie wird es bei der WM nicht gehen', sagte Völler zuversichtlich. 'Ich traue beiden beim Turnier alles zu.'