"Tanz der Überheblichkeit": Pérez treibt Real tiefer ins Durcheinander

"Tanz der Überheblichkeit": Pérez treibt Real tiefer ins Durcheinander

Manche verglichen es mit Donald Trump auf Spanisch, andere dachten an die berühmte Pressekonferenz zu den "Menschenrechten" von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge beim FC Bayern. In 64 Minuten voller Angriffe und Anklagen gegen die "Gegner von Real Madrid" hat Präsident Florentino Pérez das gesamte Durcheinander beim Klub offenbart und den größten Fußballverein der Welt in seinen Fundamenten erschüttert.

"Sie müssen mich schon umbringen, um mich hier wegzubekommen", tobte der Real-Chef am Dienstagabend, als er inmitten der schwersten sportlichen Krise seit Langem unerwartet Neuwahlen ankündigte. Die Zeitung El País schrieb, Pérez habe "einen Tanz seiner Überheblichkeit, seines Wahnsinns und seines Machthaften" hingelegt, El Mundo kommentierte nach einer Vorstellung für "Komikliebhaber", der Boss habe "seine Verkleidung abgelegt".

Pérez redete von einer "Schmutzkampagne" gegen sich und Real, von einer "Verschwörung" der Presse. Er griff einzelne Journalisten im Raum an, bezweifelte einer Reporterin wegen ihres Geschlechts die Expertise, war gegenüber einer anderen ("das Mädel") unhöflich, bagatellisierte den Streit der Profis Federico Valverde und Aurélien Tchouaméni und natürlich griff er seinen Erzfeind, den Rivalen FC Barcelona, an.

"Sein inneres Ich gezeigt"

Der spanische Meister veröffentlichte schnell eine Erklärung, in der er juristische Maßnahmen androhte. Pérez hatte im Kontext des "Fall Negreira" über die mögliche Beeinflussung von Schiris durch Barcelona ("Der gewaltigste Korruptionsfall in der Fußballgeschichte") behauptet, Real seien sieben Titel geraubt worden.

In einem ebenso dramatischen Auftritt in der populären Show El Chiringuito auf dem spanischen Sender La Sexta wiederholte er am Mittwochabend seine Anschuldigungen. Auf den offenen, einladenden Brief seines potenziellen Rivalen, des reichen Unternehmers Enrique Riquelme, reagierte der 79-Jährige abfällig: "Ich kenne diesen Mann nicht."

Liga-Chef Javier Tebas äußerte sich am Donnerstagmorgen auf X, Pérez habe "sein echtes Gesicht, sein inneres Ich gezeigt". Der Vorwurf der Untätigkeit im "Fall Negreira" gegenüber der Liga sei falsch.

Übernimmt der "Energiekönig" von "Vater Pérez"?

All diese Konflikte passieren vor dem Hintergrund einer trottlosen Saison, in der nach Xabi Alonso nun Álvaro Arbeloa als nächster Real-Trainer vor dem Ende steht. Pérez soll Startrainer José Mourinho von Benfica Lissabon holen wollen.

Am Dienstag wich er Fragen aus, am Mittwoch sagte er, eine Rückkehr sei derzeit "nicht im Gespräch". Diese scheinbare Ablehnung würzte er mit der Bemerkung, er schätze nicht nur "Mou", sondern "alle Übungsleiter", doch er stelle den Trainer bei Real sowieso nicht an.

Gleichzeitig wies Tennisstar Rafael Nadal Gerüchte zurück, die ihn mit der möglichen Kandidatur von Riquelme verbanden. Der 37-jährige Geschäftsmann, Mitglied unter Nummer 43.858, erklärte, er erfülle "alle" Bedingungen für den Wahlkampf.

Dazu gehört eine Bürgschaft von 15 Prozent des Klubumsatzes, also 187 Millionen Euro. Ein Kinderspiel für den "Energiekönig", wie Riquelme aufgrund seines Firmenimperiums in erneuerbaren Energien genannt wird, das global führend ist.

Aber was bedeutet das schon? Schließlich ist "Vater Pérez" der "größte Präsident in der Real-Geschichte". Sagt Pérez selbst.