Spannung vor dem WM-Auftakt: Gastgeber Mexiko kämpft um die Kontrolle
Während die letzten Vorbereitungen für den Auftritt von Shakira und anderen Künstlern getroffen wurden, herrschte vor dem prunkvollen Aztekenstadion in Mexiko-Stadt eine angespannte Atmosphäre. Absperrungen und Straßensperren prägten auch einen Tag vor dem WM-Auftakt das Stadtbild, die Polizei bereitete sich mit einem großen Einsatz auf einen anstrengenden Tag vor. Für Donnerstag sind rund um das Stadion, in dem Mexiko gegen Südafrika (21.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) das Turnier eröffnet, allein sieben Protestmärsche geplant.
Zum Spiel-Center: Mexiko gegen Südafrika
Seit Tagen sind es nicht die Fußballfans, die mit Bannern, Sprechchören und Fahnen durch die Straßen ziehen, sondern Demonstranten, die ihrem Ärger freien Lauf lassen. Besonders die Protestwelle der Lehrer versetzt das Land in Unruhe. Am Donnerstag wollen zudem die "madres buscadoras" protestieren, also Mütter, die nach ihren verschwundenen Kindern suchen, die mutmaßlich von Behörden oder Verbrecherbanden entführt wurden.
Lehrerproteste verschärfen sich
Die angespannte Situation hält den Gastgeber bereits seit Monaten in Atem. Im Februar waren Teile Mexikos nach der Tötung des berüchtigten Drogenbosses Nemesio "El Mencho" Oseguera Cervantes durch das Militär ins Chaos gestürzt. FIFA-Chef Gianni Infantino zeigte sich davon unbeeindruckt und meinte, er sei "sehr gelassen": "Alles verläuft sehr gut, alles wird fantastisch", sagte er damals in seiner typisch optimistischen Art.
"Wir gewährleisten, dass die WM-Feierlichkeiten reibungslos, friedlich und ruhig stattfinden werden", versicherte auch Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum, die am Montag der Nationalelf bei einem Treffen viel Erfolg wünschte. Trotzdem ist die Stimmung weiterhin angespannt.
Seit Anfang Juni gibt es gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und vor allem protestierenden Lehrern. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, nachdem Demonstranten versucht hatten, in eine im Bau befindliche Fanmeile im Stadtzentrum zu gelangen. Teile der Lehrergewerkschaft CNTE verlangen höhere Gehälter und eine Neuverhandlung des Rentensystems und drohen, die Proteste während der WM zu verstärken.
Sheinbaum verlässt sich derweil auf Tausende von Sicherheitskräften, um einen störungsfreien Ablauf der Spiele zu sichern. Ob dadurch wirklich eine unbekümmerte Festatmosphäre entstehen kann, ist fraglich.
Eröffnungsspiel als "sicher" bezeichnet
Innerhalb des Stadions soll einzig der Fußball zählen. "Unser Anspruch ist es, die beste WM in der Geschichte Mexikos zu präsentieren, und daran arbeiten wir hart", erklärte Mexikos Trainer Javier Aguirre. Zumindest auf dem Rasen möchte sich das Land von seiner besten Seite zeigen. Doch auch Südafrikas Coach Hugo Broos hat große Ziele: "Wir wollen so schnell wie möglich drei Punkte holen, denn drei Punkte bedeuten, dass du zu 90 Prozent in die K.o.-Runde einziehst".
Für die FIFA wäre es eine Katastrophe, wenn das Eröffnungsspiel durch die Proteste überschattet würde. Bereits am Dienstag blockierten Demonstranten eine Straße in Richtung Estadio Azteca, wurden aber von Polizeiketten am Weiterkommen gehindert. Präsidentin Sheinbaum bezeichnete die Proteste als "Provokation". "Es klingt, als wollte man sagen: 'Seht her, wie schlecht es um Mexiko steht'", sagte sie auf einer Pressekonferenz.
Gleichzeitig erklärte sie, das Eröffnungsspiel sei "garantiert", lehnte aber den Einsatz von Polizei zur Unterdrückung der Proteste ab. Wie viel Protest letztlich die Eröffnungsfeier beeinflussen wird, bleibt abzuwarten.