Die verbrannte Hand: Der DFB und die WM-Politik - "Kein Maulkorb" für Spieler

Die verbrannte Hand: Der DFB und die WM-Politik - "Kein Maulkorb" für Spieler

Das, was Völler als "Geschichte" bezeichnete, ist die immer deutlicher werdende direkte Einmischung der US-Politik in die Fußballweltmeisterschaft. Das Einreiseverbot für den besten Schiedsrichter Afrikas, die Entziehung der Kartenkontingente für den Iran, mit dem der Gastgeber im Krieg liegt. "Ich hätte mir das anders gewünscht", sagt Völler, er ist sich bewusst, dass er immer wieder nach der Politik gefragt wird. Raketen, Drogenkrieg, ICE, Trump. Vor die Mannschaft will er sich dennoch wie ein schützender Vater stellen.

Denn wenn es den bildhaften Ausdruck "gebranntes Kind" nicht bereits gäbe, müsste er für die deutsche Nationalmannschaft neu erfunden werden. In Katar mündete die Diskussion an der heißen Herdplatte in eine Geste mit dem Mund beim Mannschaftsfoto, das Team versank in einer toxischen Mischung aus dem Kommunikationsdesaster um die One-Love-Binde und sportlichem Totalversagen.

Kein "Maulkorb" für die DFB-Akteure

Also, diesmal wirklich den Mund halten? Die drei Affen: Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen? Irgendwie ja. "Wenn wir uns verrennen", warnt Nico Schlotterbeck, "endet das wie in Katar. Und das wollen wir alle nicht."

Bernd Neuendorf hat jedenfalls alle Fäden in der Hand, um ein Katar II zu vermeiden. "Einen Maulkorb wird es nicht geben", versichert der DFB-Präsident freundlich, selbstverständlich könne sich jeder Nationalspieler äußern, wie er möchte. Doch zwischen den Zeilen ist keine Lupe nötig, wenn er sagt: "Sie sind so fokussiert auf das Turnier, wollen Spiele gewinnen und die Fans begeistern - das steht bei den Spielern absolut im Mittelpunkt." Das, und keine heiße Herdplatte.

Das Feuer einer (selbstverschuldeten) Boykott-Diskussion haben sie beim Verband dann auch so schnell ausgetreten, dass nicht einmal die Fußsohle dampfte. Er selbst, betonte Neuendorf nun erneut, werde in Amerika gegebenenfalls die politischen Gespräche im Hintergrund führen. Chefsache! Auch Rudi Völler moderiert da gerne mit, er spricht mit all seiner Erfahrung und seinem Gespür für brisante Situationen. "Glaubt mir, ich habe keine Angst vor politischen Fragen", versicherte er in der Medienrunde am Dienstag. "Natürlich bekommen wir das alles mit, aber wir werden es nicht ändern." Wenn der Ball rolle, dann "geht es sowieso nur noch um Fußball." Ja, vielleicht.

Jürgen Klinsmann hat im deutschen Fußball keine Aktien, er kann völlig frei reden. Das tut er auch. In der ARD-Dokumentation "Spielfeld der Macht" fliegt der Hobby-Pilot im Hubschrauber über seine Heimat Los Angeles und schüttelt verständnislos den Kopf. Das "erzwungene" Mund-zu-Foto, das fand er 2022 wie heute schlicht "katastrophal". Und: "Deine Aufgabe als deutsche Nationalmannschaft in Amerika ist, das Turnier zu gewinnen, und nicht, politische Botschaften zu senden." Der Ex-Bundestrainer erwähnt zwar auch die Befürchtung, dass die WM missbraucht wird. Aber: "Nachher fragt keiner mehr nach deiner Meinung zu gesellschaftspolitischen Themen. Da wird nur gefragt: Warum habt ihr die WM vergeigt?"

Bundestrainer fokussiert auf das Sportliche

So war es auch in Katar. Julian Nagelsmann trägt die große Verantwortung, Ähnliches zu vermeiden. In erster Linie sportlich, aber selbstverständlich auch kommunikativ. Wenn er nur einen Knopf hätte, sagt der Bundestrainer, der alle Kriege beenden und eine tolle WM garantieren könnte! Er würde ihn sofort drücken. "Den habe ich aber nicht."

Also ist eine Strategie nötig. Diese ist diesmal klar vorgegeben, als Lerneffekt der verbrannten Hand. Auch für Nagelsmann: "Als Bundestrainer ist es nicht meine Rolle, zu bewerten, was auf weltpolitischer Ebene passiert." Er hat mit dem Fußball genügend Sorgen.