Mit Gedanken an Opa: Der gereifte Jude Bellingham mit England zum WM-Titel?

Mit Gedanken an Opa: Der gereifte Jude Bellingham mit England zum WM-Titel?

God Save The King wird auch in Foxborough ertönen, wenn der Mittelfeld-Star von Real Madrid gegen Ghana vor seinem 50. Länderspiel steht. Vor diesem besonderen zweiten WM-Gruppenspiel am Dienstag (22.00 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) gewährte der 22-Jährige nach schwierigen Monaten Einblicke in seine Seele.

"Es ist schön, die Leute daran zu erinnern, wofür ich stehe", sagte Bellingham, als er beim 4:2-Auftaktsieg gegen Kroatien neben Harry Kane in eine der Hauptrollen geschlüpft war. Einer der besten Fußballer des Planeten hat das Gefühl, sich gerade extrem beweisen zu müssen. Das hat nicht nur mit seiner komplizierten Saison mit zwei größeren Verletzungen zu tun. Sondern auch mit seinem, nun ja, nicht ganz einfachen Verhältnis zu Thomas Tuchel.

Bellingham mit Genugtuung

Der aber überschüttete Bellingham nun mit Lob. "Du kannst dich auf Jude in diesen Momenten verlassen. Er liebt diese Druckspiele. Das kitzelt das Beste aus ihm heraus", schwärmte der deutsche Nationaltrainer der Engländer. Dabei hatte der Ex-Bundesliga-Coach vor dem Turnier klar gemacht, auch Bellingham müsse um einen Stammplatz kämpfen.

"Für mich ist es schön, ein Stück weit den Lärm auszublenden und meinem Land, meinen Mitspielern zu zeigen", sagte Bellingham in Arlington voller Genugtuung, "wie sehr ich mich dafür einsetze, dass wir Spiele gewinnen." Denn nicht nur als Torschütze sammelte er Bonuspunkte bei seinem kritischen Chef.

"Es ist eine einfache Entscheidung, ihm zu vertrauen, auch wegen der letzten Tage, in denen er die Idee des Teamgeists, die Idee der Brüderlichkeit und unsere Spielidee angenommen hat", berichtete Tuchel, der vor einem Jahr noch mit Kritik am früheren BVB-Star für Aufsehen gesorgt hatte.

Sogar seine Mutter, hatte Tuchel damals gesagt, finde einige über-ehrgeizige Allüren des Mittelfeldspielers "abstoßend". Später entschuldigte sich der 52-Jährige dafür. Vielmehr brauche sein Team "dieses gewisse Etwas. Er bringt eine gewisse Schärfe mit, die nötig ist, wenn wir Großes erreichen wollen", sagte Tuchel.

"Hey Jude" nach dem Spiel

Nachhaltig geschadet hat die Episode offenbar nicht, Bellingham setzte sich auf der Zehnerposition gegen Morgan Rogers vom Europa-League-Sieger Aston Villa durch. Und erzielte gegen Kroatien mit einem Kracher aus spitzem Winkel das entscheidende 3:2 (47.). "Ein wütendes Tor", wie der Guardian schrieb.

Als die Fans nach dem Spiel "Hey Jude" schmetterten, blickte Bellingham sichtlich angefasst auf die Tribünen. Doch so emotional einzelne Momente auch sein mögen, seine WM-Mission ist klar.

Es seien "immer die Spieler, die ruhig und entspannt sind, die verstehen, was sie zu tun haben, sich aber auch nicht von der Atmosphäre mitreißen lassen", erklärte Bellingham, "die so wirken, als wären sie einen Schritt voraus." Thomas Tuchel dürfte das gefallen.