MEINUNG: Nach starkem Interims-Einsatz verdient Carrick den Posten bei Man Utd

MEINUNG: Nach starkem Interims-Einsatz verdient Carrick den Posten bei Man Utd

Als Carrick im Januar die Leitung übernahm, lag der Plan auf der Hand: Das volle Potenzial der Spieler entfalten und den Platz in der Champions League sichern. Genau das gelang ihm. Nach dem packenden 3:2 Triumph über Liverpool am Sonntag ist die Qualifikation endgültig fix. Carrick und sein Team haben entscheidend zu diesem Erfolg beigetragen.

Seit er das Ruder in die Hand nahm, entfalten sich wichtige Akteure wie Bruno Fernandes, Matheus Cunha und Kobbie Mainoo in einem Aufbau, der ihre Qualitäten optimal einsetzt. United zeigt in der Defensive nun viel mehr Disziplin, und in manchen Momenten wirkt die Struktur ähnlich wie beim englischen Nationalteam unter Gareth Southgate. Das ist berechenbar: Steve Holland, vormals der Defensivberater der Three Lions, sorgt jetzt im Carrick Team für die erforderliche Solidität.

Einfachheit vor Verwicklungen

Zu Amorims Zeit erschien United häufig instabil. Die Dreierabwehr brachte mehr Unsicherheit als Schutz. Carrick hingegen griff zu den grundlegenden Mitteln: Zurück zur Viererreihe, Mainoo im Herz des Mittelfelds und Fernandes als Zehner. Was auf den ersten Blick unkompliziert scheint, erfordert auf höchstem Niveau konsequente Durchführung.

Die Folge? Fernandes agiert derzeit so kraftvoll und ausgereift wie seit Langem nicht. Mainoo verleiht dem Mittelfeld die notwendige Gelassenheit, und Cunha glänzt als umgekehrter Außenspieler, der von der linken Seite stets bedrohlich ins Zentrum dringt. Die Fähigkeit, Athleten auf ihre besten Positionen zu stellen, ist das Markenzeichen des ehemaligen Middlesbrough Leiters.

Trotz des idealen Anlaufs mit Wintzen gegen City und Arsenal zeigten sich kürzlich erste Schwächen. Die Statistik zehn Siege in 14 Partien sieht aus wie die eines Spitzenreiters, aber spielerisch war nicht alles perfekt. Mehrmals entschieden Einzelleistungen von Fernandes oder Casemiro Begegnungen, die leicht kippen hätten können.

Die Bedenken halten an: Genügt diese defensiv ausgerichtete Taktik, die auf schnelle Umschaltungen baut, auf Dauer? Die Anhänger auf Old Trafford erwarten bald wieder kontrollierenden Angriffsspass. Dennoch erhält Carrick die Gelegenheit, in einer umfassenden Vorbereitungszeit fortgeschrittenere spielerische Ideen zu verankern.

Iraola im Rennen mit Carrick?

Der größte Rivale ist momentan Andoni Iraola. Der abgehende Bournemouth Trainer verkörpert einen dynamischen, offensiven Ansatz, der theoretisch ideal zu Uniteds Charakter passt. Doch die Kernfrage bleibt, ob Iraola den massiven Erwartungsdruck im Theatre of Dreams aushalten könnte.

Carrick hat gezeigt, dass er den Druckstuhl meistert. Er strahlt eine angeborene Führungsstärke aus, die an Figuren wie Ancelotti oder Zidane gemahnt. In einem Verein dieser Kaliber zählt ein geschickter Koordinator und Motivator oft mehr als ein reiner Taktikexperte.

Falls Luis Enrique derzeit der top Trainer der Welt nicht greifbar ist als verlängert er in Paris voraussichtlich, spricht nichts gegen Carrick als Wahl.

Nach dem Durcheinander unter Ten Hag und Amorim bietet Carrick die entspannte Führung, die für Ordnung sorgt. Ein weiteres Experiment mit einem Fremden könnte den hart erkämpften Aufschwung gefährden. Sir Jim Ratcliffe und INEOS sollten auf die Verlässlichkeit setzen, die Carrick derzeit liefert.