"Grosse Gefahren für Zuschauer": Forscher mahnen FIFA wegen extremer Hitze zur WM

"Grosse Gefahren für Zuschauer": Forscher mahnen FIFA wegen extremer Hitze zur WM

Nach Angaben der WWA könnten ein Viertel der Begegnungen dieser Turnier, das vom 11. Juni bis 19. Juli in Kanada, den USA und Mexiko ausgetragen wird, unter stark belastenden Hitzefaktoren ablaufen. Aufgrund der globalen Erwärmung ist diese Herausforderung heute deutlich schwerwiegender als bei der vorherigen Amerikameisterschaft im Jahr 1994.

"Unsere Untersuchungen belegen, dass der Klimawandel einen konkreten und quantifizierbaren Effekt darauf ausübt, ob Sommerweltmeisterschaften auf der nördlichen Hemisphäre künftig noch risikofrei organisiert werden können", unterstreicht Friederike Otto, Dozentin für Klimaforschung am Imperial College London und eine der Initiatorinnen der WWA.

Die Spezialisten haben für ihre Studie sämtliche 104 geplanten Matches in den 16 Arenen der 48 antretenden Nationen betrachtet. Zur Vorhersage verwendeten sie den Wet Bulb Globe Temperature Index (WBGT), der Hitzegrad, Feuchtigkeitsgehalt, Strahlung der Sonne und Wolkenbedeckung berücksichtigt. Der Haken: Eine anscheinend erträgliche Temperatur kann durch starke Feuchtigkeit rasch bedrohlich eskalieren. Ein WBGT Wert von 28°C entspricht ungefähr 38°C in trockener Luft oder 30°C unter sehr feuchter Witterung.

Etwa 26 Matches (ein Viertel des gesamten Programms) sollen bei Werten von 26°C WBGT oder höher durchgeführt werden. Nach Aussagen von Spielerverbänden erfordert das zwingend ergänzende Abkühlmethoden. Rund fünf Begegnungen könnten sogar die alarmierende Grenze von 28°C WBGT überschreiten. Unter solchen Bedingungen raten Mediziner sogar zur Absage, wie Otto gegenüber Medienvertretern darlegte.

Flüssigkeitsnachschubphasen nach Meinung der Experten "viel zu knapp"

Die Wissenschaftler markierten besonders die tagsüber ausgetragenen Spiele in freiliegenden Stadien als "Risikospiele" vor allem in Miami, Kansas City und dem Gebiet um New York/New Jersey. Zwar verfügen einige Arenen über Kühlung, die die Bedrohungen für Athleten und Besucher mildert, doch Otto weist darauf hin:

"Auch für die Fans, die sich im Freien treffen, lauern erhebliche Gefahren. Sie sind in Notfällen noch anfälliger, da sie nicht augenblicklich von vielen Medizinern versorgt werden können."

Ab einem WBGT von 26°C vermögen selbst gut trainierte und hitzegewohnte Sportler bei hohen Belastungen ihren Körpertemperaturhaushalt nicht mehr auszugleichen. Die von der FIFA vorgesehenen dreiminütigen Unterbrechungen je Halbzeit reichten folglich nicht aus für effektive Erfrischung und Hydration. Stattdessen plädieren die Fachleute für Pausen von mindestens sechs Minuten. Die FIFA setzt diese regulären Trinkstopps bei dieser Veranstaltung erstmals um.

Sogar der UN Klimaleiter Simon Stiell zeigte sich alarmiert: "Die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen hat sich seit 1994 verdoppelt und bedroht dadurch sowohl Spieler als auch Publikum." Er drängte auf rasche Maßnahmen, um den Fußball und seine Gefolgschaft zu sichern und die Transition zu erneuerbaren Energien zu beschleunigen.

Auf Nachfrage der Agentur AFP berief sich die FIFA auf ihre aktuellen Schutzmaßnahmen. Der Verband hob hervor, dass die Verhältnisse vor Ort laufend und live überwacht werden. Hierbei fließen sowohl der WBGT als auch der Standardhitzeindex ein, um bei schweren Wetterlagen umgehend die vorausgesehenen Krisenpläne zu starten.