"Es schmerzt": Rückblicke auf 2001 – Schalke jubelt vier Minuten lang und trauert für immer

"Es schmerzt": Rückblicke auf 2001 – Schalke jubelt vier Minuten lang und trauert für immer

Genau vier Minuten und 38 Sekunden trennen Schalke 04 am 19. Mai 2001 vom ersten Bundesliga Meistertitel. Um 17.16 Uhr endet das Match gegen SpVgg Unterhaching mit 5:3, und der bedeutendste Erfolg der Vereinsgeschichte erscheint greifbar. Tausende der 65.000 Besucher im voll besetzten Parkstadion stürmen unter Jubel das Spielfeld, Böller fliegen empor, Rudi Assauer reckt triumphierend die Faust, die Spieler werfen sich auf dem Rasen herum.

Dabei ist der 22 jährige Asamoah mittendrin. "Plötzlich hieß es: 'Wir sind Meister'", blickt er zurück. Während einige Mitspieler bereits Meistergespräche führen, ruft Trainer Huub Stevens "alle zurück in die Umkleide. Ich gehörte zu den Letzten, hielt schon eine Bierflasche fest", berichtet Asamoah. "Als ich eintrete, spüre ich: 'Seltsam, warum herrscht hier Stille?'"

Assauer verliert den Glauben an den Fußballgott

Alle Augen richten sich auf einen Bildschirm, draußen flimmern die Szenen aus Hamburg auf der Leinwand, und das Drama entfaltet sich. Das Duell von Bayern München gegen HSV läuft noch, entgegen aller Erwartung, weiter. Schiedsrichter Markus Merk pfeift den berühmtesten Rückpass der Fußballgeschichte und gibt indirekten Freistoß für den Titelverteidiger.

Sogar Oliver Kahn drängt sich in den Hamburger Strafraum, Stefan Effenberg schiebt den Ball, Patrik Andersson knallt ihn rein, und 300 Kilometer entfernt trifft es direkt das Herz Tausender Anhänger. "Den Freistoß habe ich gar nicht gesehen, vor lauter Furcht", gesteht Asamoah. "Dann hörte ich nur die Spieler brüllen und Dinge werfen. Damit wusste ich Bescheid."

Freudentränen verwandeln sich in einen Ozean tiefer Verzweiflung. "Ich glaube nicht länger an den Fußballgott", erklärt Manager Assauer später in der Pressekonferenz. Auch die Laufbahn des jungen Asamoah, der später Nationalmannschaftsspieler und Fanfavorit wurde, prägt dieser Augenblick: "Ältere Leute weinen zu sehen, das berührt einen tief. Es war hart, das miterleben zu müssen."

Eine Woche später holt S04 den DFB Pokal, doch für viele bleibt das intensivste Bundesliga Finale im Gedächtnis. "Meister der Herzen, das klingt nett, nützt mir aber nichts. Ich wollte die Trophäe heben", meint der Schalker Trainer des Jahrhunderts Stevens nach 25 Jahren gegenüber dem kicker.

Schalke kehrt in die Bundesliga zurück

Kein anderer Verein formt sein Image stärker durch solch dramatische Misserfolge, zerplatzte Hoffnungen und schmerzhafte Rückschläge, statt durch eine Kette von Siegen. 1972 zerstörte der Bundesliga Skandal das talentierte junge Team. In den 1980er Jahren stieg der traditionsreiche Klub mit viel Show dreimal ab und wieder auf, und in jüngster Zeit gab es Turbulenzen, beinahe bis in die Dritte Liga.

"Der Club und die Anhänger verdienen es, erneut in der Bundesliga zu spielen", äußert Asamoah zum kürzlichen Aufstieg. Der Verbleib in der Liga sei nächstes Jahr das Hauptziel, wofür, wie 2001, "erkennbar werden muss, wie wir als Schalke 04 zusammenhält".