Gefühlvolle Rückkehr nach Vancouver: Kanada sorgt sich weiter um Davies
Nach seiner Ankunft in Vancouver hielt sich Alphonso Davies zunächst bedeckt. In schlichter Kleidung, mit schwarzem T-Shirt und Brille, durchstreifte der Kapitän Kanadas die Straßen seiner früheren Heimat. „Ich liebe dein Trikot“, rief er einem Fan zu, der das Shirt mit der Nummer 19 trug, ohne dass dieser ihn offenbar erkannte. Dennoch ist der Star des FC Bayern vor dem entscheidenden zweiten WM-Spiel des Co-Gastgebers erneut in aller Munde.
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„Nicht mit uns trainiert“
Wird er auflaufen oder nicht? Diese Frage beschäftigte Kanada vor Davies' Rückkehr in seine fußballerische Heimat. Gegen Katar steht in der Nacht auf Freitag (0.00 Uhr, ZDF und MagentaTV) der erste WM-Sieg des Mutterlandes des Eishockeys auf dem Programm, die K.o.-Runde wäre dann greifbar nah. Mit ihrem Anführer auf dem Platz wäre dies deutlich wahrscheinlicher. Allzu große Hoffnungen sollten die Anhänger von „Les Rouges“ jedoch nicht hegen.
„Ich kann nicht sagen, ob er spielen kann, er hat nicht mit uns trainiert“, erklärte sein Vertreter Stephen Eustáquio am Dienstag. Nach seiner Ankunft in Vancouver am Wochenende war der 25-Jährige im Stadion beim Sieg der Australier gegen die Türkei anwesend. Am Montag befand er sich aufgrund seiner Oberschenkelverletzung aus dem April noch im Aufbautraining. Laut Berichten des kanadischen Senders CBC und von The Athletic habe Davies am Dienstag die ersten 15 Minuten der Übungseinheit mit der Mannschaft absolviert.
Ansonsten habe der Verband keine Angaben zu seinem Zustand gemacht. Im öffentlichen Teil des Trainings war Davies immerhin mit dem Ball am Fuß zu sehen, mit seinem typischen Lachen. Auch Nationaltrainer Jesse Marsch hatte schon vor dem Auftaktspiel gegen Bosnien-Herzegowina in Toronto (1:1), das Davies wegen der Verletzung verpasste, Optimismus verbreiten wollen. „Ich bin sehr zuversichtlich“, sagte der US-Amerikaner mit Blick auf ein baldiges Comeback seines wichtigsten Spielers.
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„Wahrscheinlich der beste Dribbler im Turnier“
Reicht es für Katar? Für Davies wäre es ein besonders emotionales Heimspiel. Mit 14 Jahren hatten ihn die Whitecaps nach Vancouver in die Major League Soccer geholt. Dort erhielt der Junge, dessen Eltern vor dem Bürgerkrieg aus Liberia nach Ghana geflohen und später mit ihm nach Kanada ausgewandert waren, ein Jahr später seinen ersten Profivertrag. An der Westküste entwickelte sich Davies zum Nationalspieler, debütierte mit nur 16 Jahren für sein Land und empfahl sich für die großen Bayern.
Heute ist der Weltklasse-Linksverteidiger die tragende Säule der Ahornblätter. Selbstverständlich überließ ihm Marsch vor dem Bosnien-Spiel die Kabinenansprache. Denn auch ohne auf dem Platz zu stehen, könne Davies, wie Eustáquio zugab, „seine Führungsqualitäten einbringen“. Vor allem Kanadas angeschlagene Offensive braucht ihn und sein Tempo, das war gegen Bosnien zu sehen, und das so schnell wie möglich auf dem Spielfeld. „Er ist wahrscheinlich der beste Dribbler im Turnier“, sagte Eustáquio. Wenn Davies spiele, eröffne dies Kanada „alle Möglichkeiten“. Nur wann er spielt, bleibt das große Rätsel.