Brasilien: Carlo Ancelotti steht "unter noch mehr Druck als der Präsident"
Die Arbeit als Nationaltrainer Brasiliens ist mit einer enormen Verantwortung verbunden – sogar mehr als die des Staatsoberhaupts. Auch Torwart Alisson Becker vertritt diese Ansicht: Der Job sei "vielleicht sogar mit mehr Druck verbunden als der des Präsidenten".
Genau diese Situation erlebt Carlo Ancelotti derzeit. Die emotionale Presse hat ihn in den letzten Tagen heftig kritisiert, denn er ist der erste ausländische Coach in der Geschichte Brasiliens. Jede seiner Entscheidungen wird von den Medien hinterfragt.
Selbst Ronaldo zweifelt nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Marokko zum Auftakt an den Ideen des Trainers, der Brasiliens WM-Pokal nach 24 Jahren zurückholen soll – oder vielleicht sogar muss?
"Ich mag den brasilianischen Geist sehr"
Die Zuneigung zur Selecao beschrieb Ancelotti als "typisch brasilianisch". In anderen Nationen habe die Nationalelf nicht diesen Stellenwert, erklärte er im Guardian und fügte hinzu: "Ich mag den brasilianischen Geist sehr."
Der 67-jährige Coach, der fünf Champions-League-Titel sowie nationale Meisterschaften in England, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien vorweisen kann, war sich also bewusst, auf was er sich einließ, als er Real Madrid letztes Jahr verließ.
Bisher stand Ancelotti bei 13 Partien an der Seitenlinie Brasiliens, sieben Siege sind eine gemischte Bilanz. Da er seine Startelf noch nicht gefunden hat, sieht sich der erfahrene Trainer zu Beginn der Weltmeisterschaft Diskussionen ausgesetzt, die selbst für ihn ungewohnt sind.
Sollte das zweite Gruppenspiel am Samstag (2:30 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) gegen Haiti kein überzeugender Sieg werden, würde die Kritik an Ancelotti weiter zunehmen. Ronaldo, früherer Rekordtorschütze der WM und voller Hoffnung, dass Ancelotti die erforderlichen Änderungen vornimmt, hatte im Spiel gegen Marokko Dinge beobachtet, "was man nicht nachvollziehen kann".