Castrop, Uzun, Maza und mehr: Deutsche Talente auf Weltreise
- 1
- Algerien
- Borussia Mönchengladbach
- Can Uzun
- Dennis Eckert
- Deutschland
- Ibrahim Maza
- Iran
- Jahn Regensburg
- Jamal Musiala
- Jens Castrop
- Josip Stanišić
- Kenan Yildiz
- Kroatien
- Malik Tillman
- Rani Khedira
- Südkorea
- Tschechien
- Tunesien
- Türkei
- USA
- 1. FC Köln
- Borussia VfL Mönchengladbach
- Deutschlandsberger SC
- Korea Republic National Team
- Standard de Liège
Jens Castrop erlernte das Fußballspielen in Düsseldorf Lohausen, nahe dem Rheinknick und dem Flughafen. Schon bald wollten ihn die großen Vereine verpflichten, auch der DFB zeigte Interesse, Castrop durchlief sämtliche Jugendmannschaften. Nun wird dieser begabte Mittelfeldakteur tatsächlich die WM-Bühne betreten und dabei ein winziges Stück Sportgeschichte schreiben – jedoch nicht im deutschen Dress.
„Ich bin der erste koreanische Nationalspieler“, sagt Castrop nicht ohne Stolz, „der im Ausland geboren wurde.“ In der Nacht auf Freitag (4:00 Uhr MESZ/MagentaTV) bestreitet Südkorea gegen Tschechien das zweite Spiel dieser Fußball-WM, in Guadalajara/Mexiko wird auch Castrop dabei sein. Der 22-Jährige von Borussia Mönchengladbach hat sich im vergangenen Jahr für die Heimat seiner Mutter entschieden.
Völler kritisiert das Nationenhopping
Denn Castrop hatte die Wahl, und er ist bei diesem Turnier bei Weitem nicht der einzige gebürtige Deutsche, der in anderen Farben aufläuft. Can Uzun und Kenan Yildiz etwa kickten einst gemeinsam in Regensburg, nun tragen sie als Jungstars für die Türkei einige Hoffnungen. Ibrahim Maza wurde in Berlin groß, bei der WM dribbelt er für Algerien. Die Liste ist lang, sie umfasst unter anderem den gebürtigen Nürnberger Malik Tillman, der für die USA die Heim-WM spielt, Rani Khedira, Bruder des deutschen Weltmeisters Sami, läuft für Tunesien auf, der Münchner Josip Stanisic verteidigt für Kroatien.
So mancher dieser Profis wäre durchaus auch für den DFB interessant gewesen, einige von ihnen wurden über Jahre in den deutschen Leistungszentren ausgebildet. Rudi Völler, Sportdirektor beim DFB, äußerte unlängst sein Missfallen. „Dieses Nationenhopping ist ganz schlecht und wertet auch die Nationalmannschaften ab“, sagte er der Funke-Mediengruppe: „Es kann nicht sein, dass Spieler sich permanent entscheiden können, für wen sie spielen möchten.“ Überzeugungskunst bei der Abwerbung sei ein Schlüssel, so sieht es Völler.
Auch Deutschland profitiert allerdings von doppelten Staatsbürgerschaften, im Fall von Jamal Musiala etwa, der lange für Englands Juniorenteams spielte. Ohnehin sind die Gründe vielfältig, und Castrop etwa legt auf eines großen Wert: Der Weg über die südkoreanische Auswahl sei für ihn keineswegs bloß der „einfachere“ Weg zu einem großen Turnier.
Eckert Ayensa oder Dargahi?
„Es hatte nichts mit den sportlichen Möglichkeiten zu tun“, sagte er der Aachener Zeitung: „Ich hätte mir durchaus zugetraut, auch für die deutsche Nationalmannschaft infrage kommen zu können.“ Er fühle sich „einfach sehr koreanisch“, es sei „eine Herzensentscheidung“.
Eine interessante Geschichte schreibt auch Dennis Eckert Ayensa, dessen Lebenslauf so manche Möglichkeit bot. Der Stürmer von Standard Lüttich ist das Kind eines Deutsch-Iraners und einer Spanierin. Geboren ist er in Bonn, ausgebildet beim 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach. In den kommenden Wochen wird Eckert nun für Iran auflaufen, die Spielgenehmigung ist ganz frisch – in den offiziellen Kaderlisten der WM ist er allerdings nicht unter diesem Namen zu finden: Dennis Dargahi steht dort, es ist der Nachname seines Vaters.