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EXKLUSIV: PL-Sieger Inler spricht über seine neue Position hinter den Kulissen bei Udinese Calcio

EXKLUSIV: PL-Sieger Inler spricht über seine neue Position hinter den Kulissen bei Udinese Calcio

Gökhan, wie erklärst du einem Fußballneuling deine zentrale Aufgabe als Technischer Direktor?

Man könnte es einen Rundum-Job nennen. Ich bin überall involviert, bei den Spielern, dem Trainerteam und der gesamten Vereinsführung. Es erfordert einen vollständigen Überblick über alle Bereiche. Früher waren Sportdirektoren kaum auf dem Trainingsfeld zu sehen, heutzutage sind sie viel sichtbarer. Ich verfolge die Sessions, prüfe die Statistiken und bleibe der Truppe nah. Diese ständige Abwechslung motiviert mich.

War der Wechsel vom Feld zum Büro unkompliziert für dich?

Offen gesagt, nein. Ich hatte jedoch rund ein Jahr, um mich gedanklich auf das Karriereende einzustellen. Mein langfristiges Ziel war die Sportdirektorenrolle. Heute übernehme ich die Leitung für das ganze System. Man ist rund um die Uhr für alle verfügbar. Meine jahrelange Praxis unterstützt mich stark, doch man braucht eine starke mentale Verfassung. Im Fußball gibt es nicht jeden Tag Erfolge, daher ist es wichtig, das Gleichgewicht zu halten und allen im Verein respektvoll zu begegnen.

Was hat dich in der neuen Aufgabe am stärksten verblüfft?

Als Spieler konzentriert man sich auf Form, Kondition und Erholung. In meiner aktuellen Position ist alles dynamischer: Der Stress kommt aus allen Richtungen, von Presse, Anhängern und der Leitung. Man balanciert alles aus. Damit die Mannschaft am Spieltag performt, schützt man sie vor äußeren Störfaktoren. Der Sport hat sich grundlegend gewandelt, man muss heutzutage aufmerksamer agieren als in der Vergangenheit.

Ist der psychische Druck in der Führungsposition größer als die physische Belastung als Aktiver?

Beide Aspekte sind fordernd, nur anders. Auf dem Platz geht es um körperliche Grenzen. Hier ist es rein geistig. Nach dem Training kann ein Spieler zu Hause entspannen. Ich plane weiter, organisiere den Folgetag, behandle Werbung und Strukturen. Man behält den Kopf frei und ist ehrlich zu sich. Diese Spannung reizt mich.

Hat sich der Druck im Fußball in den vergangenen 15 Jahren enorm erhöht?

Absolut. Durch Social Media und die permanente Berichterstattung sind die Ansprüche explodiert. Jede Aktion wird beobachtet und kritisiert. Das betrifft Athleten und Verantwortliche gleichermaßen. Es ist eine gewaltige Herausforderung, in solchem Kontext Glaubwürdigkeit und Achtung zu erhalten.

Zu der 'Udinese-DNA'. Was definiert einen Spieler dieses Klubs?

Udinese ist eine Brutstätte für Talente. Die DNA steht dafür, dass ein Athlet hier alle Voraussetzungen hat, sein Maximum zu erreichen. Doch Demut ist essenziell. Man erkennt: Udinese ist einzigartig, aber kein Milan oder Napoli. Deshalb integrieren wir Neuzugänge gezielt, vermitteln die Klubkultur und die regionale Tradition. Bei vielfältigen Herkünften ist es vital, sie sofort richtig zu lenken.

Udinese baut Talente auf und verkauft sie profitabel. Hat diese Linie zu deiner Entscheidung beigetragen?

Ich kenne die Pozzo-Familie seit meiner Spielerzeit, und der Kontakt ist geblieben. Ich respektiere ihre Fleißhaltung, da ich selbst hart arbeite. Es war eine Auszeichnung, direkt nach dem Rücktritt anzufangen. Sprachfähigkeiten waren entscheidend, Italienisch ist Pflicht. Nicht jeder ehemalige Profi eignet sich für diesen intensiven Bereich, doch ich war motiviert dafür.

Stört es dich, wenn Stars schnell den Verein verlassen?

Das gehört zu unserem Modell. Spieler kommen, um voranzukommen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung: Nach vier Jahren in Udine wechselte ich nach Neapel. Ich weiß, wie man sie darauf einstimmt. Beispiel Florian Thauvin: Er kam als Star, wurde hier zum Führer und Anführer. Wir haben den Zusammenhalt im Team gefördert. Dass Udinese seit mehr als 30 Jahren in der Serie A ist, resultiert aus der harten Arbeit der Pozzos.

Du hast Thauvin genannt. Unterstützt du Trainer Kosta Runjaic bei der Aufbau der Rangordnung in der Umkleide?

Sicher, ich nutze meine Zeit als Kapitän der Schweizer Nationalmannschaft. Ottmar Hitzfeld ernannte mich dazu, weil ich Kulturen verband. Kapitän zu sein bedeutet Einsatz jenseits des Bands. In Udine haben wir Thauvin und Jaka Bijol gewählt, jetzt Jesper Karlstrom und Sandy Lovric. Ich diskutiere das eng mit dem Coach.

Denkst du, man hat dir die Stelle gegeben, um den Jüngeren Professionalität vorzuleben?

Vermutlich ja. In 20 Jahren habe ich alles erlebt. Ich rede direkt mit den Spielern, ohne Dolmetscher, das wirkt besser. Ich mache klar, dass Fußball mehr als Geld und Sessions ist. Ich stamme aus einfachen Verhältnissen und habe viel investiert. Kein Alkohol, kein Rauchen. In Leicester war mein härtestes Jahr: Als Leader spielte ich wenig und verlor meinen Nationalmannschaftsplatz. Aber ich gab nicht auf.

Das Leicester-Wunder wird idealisiert. Für dich war es eher eine schwere Prüfung?

Athletisch war es zäh, da Kanté und Drinkwater brillierten. Doch ich forderte sie täglich. Ich hätte jammern können, stattdessen kämpfte ich. Dieser Meistertitel ist für mich ein Gewinn, weil ich mental wuchs. Diese Anekdote teile ich mit meinen Spielern, wenn sie enttäuscht sind über fehlende Einsätze. Ich demonstriere, dass Ausdauer alles verändert. Ehrlichkeit zu den Athleten ist meine Kraft und der Grund für unser Band.