Rekordverdächtiges Ende eines Missverständnisses: Igor Tudor verlässt Tottenham
Tudors Erfolgsbilanz wirkt wie ein Horrorszenario: Er ist der allererste Coach in der Klubgeschichte, der über mehrere Spiele ohne einen einzigen Erfolg in der Liga geht. Sogar bei stark umstrittenen Vorgängern wie Christian Gross oder Cristian Stellini gab es Momente des Aufatmens, aber Tudor übernimmt ein heilloses Chaos. Man kann ihm nicht alleine die schweren Verletzungen und das ramponierte Selbstbewusstsein aus der Zeit von Thomas Frank vorwerfen, doch seine Fehleinschätzungen in der Taktik haben die Situation erheblich verschlechtert.
Seine Experimente mit der Spielerauswahl haben für viel Erstaunen gesorgt. Er versetzte Akteure wie Conor Gallagher oder Pedro Porro auf Positionen, die ihnen gänzlich unbekannt waren, und wechselte das Abwehrsetup fortwährend von einer Dreierkette zu einer Viererkette.
Nottingham-Debakel als Schlusspunkt
Der Tiefpunkt aller Tiefpunkte war das Hinspiel in der Champions League gegen Atlético Madrid: Tudor ließ den regulären Keeper Guglielmo Vicario außen vor und setzte auf den ungesicherten Antonín Kinsky, der umgehend für zwei schnelle Gegentreffer haftbar gemacht werden konnte. Dass er den jungen Spieler nach dem Wechsel gar nicht beachtete, zog weitere Vorwürfe nach sich.
Für kurze Zeit flackerte Optimismus auf, als die Spurs am Anfield Road ein hart erkämpftes 1:1 holten und im Rückspiel gegen Atlético sogar einen Sieg einfuhren, der letztendlich nichts änderte. Tudor zerstörte diesen Schwung jedoch abrupt. Im Duell um den Klassenerhalt gegen Nottingham Forest zog er den entscheidenden Trefferkönig Xavi Simons unnötig aus der Startformation und schwächte die Mannschaft mit zu frühen Einsätzen von Genesenden. Die klare 0:3-Pleite war letztlich der Auslöser für den endgültigen Bruch.
Nun gehen die Pfade auseinander, auch aus persönlichen Motiven, da Tudor den Tod seines Vaters zu trauern hat. Tottenham hat noch sieben Partien, um den ersten Abstieg seit den 1970er Jahren abzuwenden. Der Klub muss zeigen, dass er aus den Irrtümern der jüngsten Zeit gelernt hat, ehe das Problem, das Tudor beheben sollte, den ganzen Verein in den Abgrund reißt.