Vorsicht Schlangen! Nagelsmann strafft die Zügel im DFB-Camp

Vorsicht Schlangen! Nagelsmann strafft die Zügel im DFB-Camp

Die Zurückhaltung war am Mittwoch schnell vorbei. Kimmich und die anderen Spieler legten sie ab. Kurz vor seinem 1000-Tage-Jubiläum als Bundestrainer griff Julian Nagelsmann wieder durch und rief seine Stars nach der verordneten Freizeit zum Training im Spry Soccer Stadium in Winston-Salem. Der vorzeitige Einzug in die K.o.-Phase ist das erste Etappenziel auf der „Route 26“.

Zum Match-Center: Deutschland gegen Elfenbeinküste

Dieses Etappenziel wäre mit einem Sieg gegen die Elfenbeinküste (Cote d'Ivoire) am Samstag (22.00 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV) in Toronto bereits erreicht. Nach dem Traumstart gegen Außenseiter Curacao (7:1) wartet nun ein viel stärkerer Gegner auf den viermaligen Weltmeister.

Die Elfenbeinküste verfügt über spektakuläre Offensivspieler“, warnte Kimmich. Außerdem sei die Mannschaft um den Leipziger Turbo-Dribbler Yan Diomande „körperlich sehr stark“. Nach der Partie in der kanadischen Metropole werde man daher „sehen, wo wir stehen“.

Konzentration auf die jeweils nächste Aufgabe

Die Hoffnung ruht auf dem neu eingeführten Sechzehntelfinale. Nach dem Auszug der Familien aus dem WM-Camp konzentrierte man sich schnell auf die Vorbereitung auf den nächsten Gegner. „Das ist entscheidend: während des Turniers nicht das gute Training zu vernachlässigen“, sagte Kimmich. „Alle müssen angespannt bleiben. Das erreicht man durch hohe Intensität und gute Trainingsinhalte. Da müssen wir noch etwas nachlegen.“

Das trifft auch auf Nagelsmann zu. Der 38-Jährige studiert seit Montag den ersten ernsthaften Test sorgfältig. Das verlangte er auch energisch von seinen Spielern. „Wir haben der Mannschaft klargemacht, dass wir uns stets auf die nächste Aufgabe fokussieren“, sagte Nagelsmann. Auf das dritte Gruppenspiel gegen Ecuador oder den weiteren Turnierverlauf soll demnach noch keine Energie verwendet werden.

Vertraut man Kimmichs Aussagen, besteht diese Gefahr ohnehin nicht. „Außer Manu (Neuer) haben wir nur Spieler im Kader, die mit der Nationalmannschaft noch nie gewonnen haben. Sie haben diesen besonderen Hunger und Antrieb, etwas Besonderes zu erreichen“, so der Kapitän. Viele Spieler wüssten zu schätzen, „hier dabei sein zu dürfen“, alle hätten „extrem große Lust auf Fußball“.

Team kann „zusammenwachsen“

Kimmich setzt große Erwartungen in die jetzige Generation. „Die vorherige Generation zeichnete sich dadurch aus, dass sie über Jahre hinweg zusammengewachsen ist“, sagte er mit Blick auf die Weltmeister von 2014. „Bei uns hatte ich in den vergangenen Jahren nicht das Gefühl, dass etwas zusammengewachsen ist. Nach den Turnieren gab es immer einen Neuanfang.“

Jetzt aber könne unabhängig vom WM-Ausgang „ein Team zusammenwachsen, das sich über die kommenden Jahre weiterentwickelt“. Er habe „Vertrauen in die jungen Spieler, dass sie auch in zwei oder drei Jahren noch dabei sind und eine feste Stütze im Team werden“.

Das habe man nach 2018 „nicht geschafft, die Führung zu übernehmen und sich zu festen Säulen zu entwickeln“, stellte der 31-Jährige selbstkritisch fest. Die jungen Spieler wolle er auf diesem Weg „fördern“.

Der Schrecken durch die Begegnung mit der Schlange ist schließlich überwunden.