USA-Test: Trotz Sieg sieht Nagelsmann "Dinge zu tun", Sané leidet mit Karl
Nagelsmann erkennt konkret vor allem in der Taktik und Offensive noch Verbesserungspotenzial für die kommende Trainingswoche. Im Fokus stehe besonders die "Positionsanpassung bei hohem Druck" und die Angriffseffizienz: "Wir müssen unsere gute Raumaufteilung im letzten Drittel noch besser verwerten, um zu sauberen Abschlüssen zu gelangen."
Der Bundestrainer lobte Siegtorschütze Leroy Sané und Youngster Nathaniel Brown: Der Galatasaray-Profi habe "den entscheidenden Treffer erzielt, das sei das Wichtigste, was ein Spieler auf dem Platz tun kann". Der von Bayern umworbene Brown wisse "noch nicht, wie talentiert er bereits ist. Er zeigt Demut und großen Wissensdurst."
Nagelsmann ließ bewusst offen, ob die Zuschauer gegen die USA bereits die künftige WM-Stammformation gesehen haben. Mit Blick auf die erwarteten Turnierbedingungen, etwa extreme Hitze, verlangte er von seiner Mannschaft besonders taktische Anpassungsfähigkeit. "Spielen wir in New York bei 40 Grad, können wir nicht 90 Minuten lang angreifen", sagte Nagelsmann.
Es gelte, den richtigen Kompromiss zwischen Pressing und defensiver Dichte zu finden. Nach einem freien Sonntag für die Spieler gelte ab Montag "die uneingeschränkte Konzentration auf das Turnier".
Sané hat Mitgefühl mit verletztem Karl
Leroy Sané zieht zwar einen Vorteil aus Karls bitterem WM-Aus, doch der Ex-Münchner denkt weniger an sich selbst als an das Los des Nachwuchsspielers. "Es schmerzt einen persönlich, für Lenny ist ein Traum zerplatzt, das tut mir unheimlich leid, er ist ein toller Mensch und ein großartiger Fußballer", erklärte der Matchwinner Sané nach dem USA-Sieg in Chicago.
Sané hatte den neunten Sieg in Folge mit seinem 17. Länderspieltor im 76. Einsatz selbst besiegelt, nachdem er den Platz auf der rechten Angriffsseite vom verletzt abgereisten Karl "geerbt" hatte. Er habe sich "außerordentlich" über die Debütsaison des 18-Jährigen gefreut, so Sané: "Ich wünsche ihm alles Gute und hoffe, dass er sich gut erholt."
Er mache sich keine Sorgen, "in der kommenden Saison wird er wieder zuschlagen. Deutschland kann glücklich sein, einen so talentierten jungen Spieler zu haben. Er wird uns noch viel Freude schenken."
Das wurde einst auch über Sané gesagt. Doch nach seiner kurzfristigen Streichung für die WM 2018 durch den damaligen Bundestrainer Joachim Löw hat der 30-Jährige bislang nur eine WM bestritten. 2022 feierte er im zweiten Gruppenspiel gegen Spanien (1:1) sein 20-minütiges WM-Debüt, beim Vorrunden-Aus gegen Costa Rica (4:2) stand er von Anfang an auf dem Platz.
Sané verspürt "Riesenvorfreude" auf WM-Start
Das werde am 14. Juni zum Turnierauftakt der DFB-Elf gegen Curacao in Houston wohl wieder so sein. Ob er dann erneut treffe, sei Sané "gleichgültig". Viel bedeutender sei, "dass alle an einem Strang ziehen und die Spiele optimistisch angehen".
Die Bedingungen dafür seien seiner Meinung nach erfüllt. "Wir verstehen uns alle sehr gut, die Vorfreude im Team ist riesig. Wir werden und wollen voll angreifen." Auch Sané, der mitfühlende Ersatz für Karl.