Think big! Die USA träumen vom großen Wurf – Größenwahn oder echte US-Stärke?
Denn in den USA, keinen anderen Schluss ließen auch die Party-Szenen aus Seattle nach dem 2:0 (2:0) des Co-Gastgebers im zweiten WM-Gruppenspiel gegen Australien zu, wächst gerade etwas zusammen. Etwas, das so bis vor wenigen Wochen nicht abzusehen war, das die Fans nun aber bereits vom eigentlich Unmöglichen träumen lässt.
"Amerika", betonte der ehemalige Schalker Weston McKennie, "ist auf Glauben aufgebaut". Da sei es "egal, was irgendwer von außen sagt. Wir werden immer an uns selbst glauben und aneinander glauben." Diese Einstellung hat die US-Mannschaft nun bereits erstmals seit 1930 zu zwei Siegen in einer WM-Vorrunde geführt, in die K.o.-Phase und zum Gruppensieg. Und führt womöglich noch viel weiter?
Größenwahn oder echte US-Stärke?
Inmitten von "power rankings" zahlreicher US-Medien, die die Mannschaft von Mauricio Pochettino in der absoluten Elite wähnen, und einem "Ja" von Zlatan Ibrahimovic zur Frage, ob die USA denn tatsächlich Weltmeister werden können, bricht sich dieser Tage immer mehr eine ur-amerikanische Überzeugung Bahn: Entweder sind wir großartig, oder wir lassen es gleich bleiben. Ab sofort auch beim "soccer". Think big!
Nicht zuletzt durch den vorzeitig feststehenden Gruppensieg, begünstigt durch den Sieg Paraguays gegen die Türkei, wächst in Amerika der Glaube an etwas Großes. Erfolge gab es bislang gegen Paraguay und Australien, Teams, die noch nicht zu den größtmöglichen Aufgaben des Turniers zählen. Doch mit Größenwahn hat der neue Hype nichts zu tun, so sieht man es in den USA.
"Ich finde nicht, dass es übertrieben ist zu sagen, dass wir das gewinnen wollen", sagte Verteidiger Chris Richards. Die USA spielen mit Leidenschaft, mit "viel Power", wie auch Bundestrainer Julian Nagelsmann lobend feststellte. Auch einen Ausfall von Starspieler Christian Pulisic steckt das US-Team weg. Wer könne da schon vorhersagen, was in diesem Sommer noch möglich ist?
Seine "Träume", sagte Pochettino bereits, hätten sich jedenfalls "nicht allzu sehr verändert". Die seiner Spieler auch nicht. "Für mich war die Geschichte, als ich aufgewachsen bin, immer so: 'An die Sieger erinnert man sich'", sagte Folarin Balogun. "Ich weiß, dass das Land hinter uns steht und dass das Land in jedem Spiel stolz auf uns ist. Wir erreichen etwas. Aber für mich", so der Stürmer, "zählt im Moment nur der Titel".
Zum Match-Center: Türkei vs. USA
Oder, wie Richards betonte: "Wir wollen am Ende dieser Geschichte einen Pokal in die Höhe stemmen." In den USA glauben sie mittlerweile tatsächlich daran.