Stumpfer Rasen, schimpfende Stars: WM-Finalstadion in New Jersey im Fokus
Bundestrainer Julian Nagelsmann dürfte die Diskussion mit Interesse verfolgt haben, am Donnerstag (22.00 Uhr/ARD, MagentaTV und Flashscore-Audioreportage) bestreitet das DFB-Team sein abschließendes Gruppenspiel gegen Ecuador in New Jersey. "Anders" sei das Geläuf, urteilte auch Frankreichs Coach Didier Deschamps süffisant. Seine Erklärung: "Weil hier eine Betonplatte unter dem Rasen ist, sind die Grasfasern sehr kurz. Der Ball springt anders."
So ein WM-Rasen ist eine hochkomplexe Angelegenheit, eine Wissenschaft für sich. Jahrelang schuftete dafür ein Forscherteam, jedes WM-Stadion bekam maßgeschneiderte Lösungen. In der Arena, die üblicherweise von den NFL-Teams New York Giants und New York Jets benutzt wird, liegt normalerweise Kunstrasen. Wird sie für Fußball gebraucht, wie schon bei der Klub-WM im vergangenen Jahr, wird darüber ein Naturrasen verlegt.
Mehrere Millionen Dollar in Rasen investiert
In 27 LKW-Ladungen wurde dieser aus North Carolina angekarrt. Unter der Oberfläche befinden sich mehrere Schichten, inklusive komplexer Bewässerungs- und Belüftungssysteme, die ihm helfen sollen, die Witterung zu überstehen. Eine Rund-um-die-Uhr-Pflege ist nötig, damit die empfindlichen Stars aus aller Welt vernünftig Fußball spielen können und das Verletzungsrisiko minimiert wird.
Künstliche Fasern wurden eingearbeitet, um Stabilität und Einheitlichkeit zu erhöhen. Über fünf Millionen Dollar hat der Weltverband FIFA in die Rasenforschung für diese WM investiert. Und doch hagelt es Negativschlagzeilen, nicht nur in New Jersey.
Bei der XXL-Unterbrechung wegen eines Unwetters am Montagabend kam die Drainage in Philadelphia offenkundig mit den Regenmassen nicht zurecht. Weil sich die Teams aus Frankreich und Irak über große Pfützen beschwerten, wurden die Walzen und Besen ausgepackt - aber viel zu spät, die Unterbrechungspause wurde länger und länger.
Im WM-Stadion von Foxborough, das berichtete Norwegens Nationaltrainer Stale Solbakken indes, sei der Rasen nach "nur fünf Minuten komplett trocken" gewesen. In der NFL-Spielstätte der New England Patriots bliebe "der Ball fast im Gras hängen".
Calhanoglu mit Verhältnissen zufrieden
Die FIFA ließ auf Anfrage von The Athletic wissen, alle 16 Rasenplätze befänden sich "sowohl hinsichtlich der Bespielbarkeit als auch der Spielersicherheit weiterhin in ausgezeichnetem Zustand." Zudem werden laut Weltverband "vor jedem Spiel umfangreiche Tests und Überwachungsmaßnahmen durchgeführt".
Das Feedback aus dem Norden dürfte den "Pitch Management Teams" daher deutlich besser gefallen. Denn im kanadischen Vancouver etwa schwärmte der frühere Bundesligaprofi Hakan Calhanoglu: "Der Rasen war sehr gut, in perfektem Zustand. Es war schön, darauf zu spielen."