Ohne De Bruyne zum Erfolg: Belgiens Umbruch kommt zur rechten Zeit

Ohne De Bruyne zum Erfolg: Belgiens Umbruch kommt zur rechten Zeit

Den wohl größten belgischen Fußballer der Geschichte einfach "nicht gebraucht"? Was im ersten Moment nach Majestätsbeleidigung klingen mag, ist in Wahrheit nur die nüchterne Zusammenfassung eines bemerkenswerten wie bitter nötigen Wandels – eines Wandels, den die belgische Nationalmannschaft, zum WM-Start noch gescholten und längst abgeschrieben, gerade im Eilverfahren durchlebt.

Zum Match-Center: Spanien vs. Belgien

Im WM-Viertelfinale gegen Europameister Spanien könnte dieser Umbruch nun den nächsten Meilenstein erreichen.

Über ein Jahrzehnt im Schatten der Goldenen Generation

Über ein Jahrzehnt hat die "Goldene Generation" des belgischen Fußballs um De Bruyne, Romelu Lukaku oder Thibaut Courtois die hohen Erwartungen geschultert. Die uninspirierten Auftritte zum WM-Auftakt gelten als klares Symptom des schleppenden Umbruchs. Doch pünktlich zur K.-o.-Phase scheinen die "Roten Teufel" die Trendwende zu schaffen – nicht dank der Altmeister um De Bruyne, sondern dank deren Nachfolger.

Da ist etwa Youri Tielemans: trotz aller Alphatiere im Kader Kapitän und mit 29 Jahren die fleischgewordene Brücke zwischen den Generationen. Im Sechzehntelfinale gegen Senegal (3:2 n. V.) führte der Dauerläufer dieser WM – insgesamt 61,8 Kilometer legte er bislang zurück – seine Mannschaft per Doppelpack zum Comeback. Da ist Charles De Ketelaere (25), der als Sturmspitze im Achtelfinale gegen die USA doppelt traf. Da sind Linksverteidiger Maxim De Cuyper (25) oder Mittelfeldspieler Nicolas Raskin (25).

Sie alle haben seit Beginn der K.-o.-Runde mit starken Leistungen maßgeblich dazu beigetragen, dass man in Belgien plötzlich doch noch einmal vom großen Wurf träumen darf – und damit auch die eigenen Erwartungen übertroffen. "Die 'Goldene Generation' hat auch ein paar Jahre gebraucht, um auf ihr höchstes Level zu kommen", hatte De Cuyper noch vor dem Turnier betont: "Wir sind ein neues Team. Wir brauchen Zeit. Aber wenn wir zusammenbleiben, können wir sehr erfolgreich sein."

Viertelfinale gegen Spanien als nächste Bewährungsprobe

Das sind sie schon jetzt. Nach der eiskalten Vorstellung im Achtelfinale gegen Co-Gastgeber USA stellt sich die Frage, wieso am Freitag (21:00 Uhr MESZ, live im ZDF und bei MagentaTV) im SoFi Stadium von Los Angeles nicht auch gegen Europameister Spanien etwas möglich sein sollte.

"Wir sind eine sehr starke Mannschaft", sagte Tielemans. Auch dank der Altstars: "Wenn wir die Spieler brauchen, dann machen sie den Unterschied." De Bruyne werde bei dieser WM "noch wichtige Spiele machen", ist sich der Kapitän sicher.

Vielleicht wird er aber auch gar nicht gebraucht.