Marcelo Bielsa im Porträt: Der verrückte Trainer, der vielleicht der Beste der Welt ist
Marcelo Bielsa (Uruguay)
GEBURTSTAG: 21. Juli 1955
STAATSANGEHÖRIGKEIT: Argentinien
IM DIENST SEIT: Mai 2023
TAKTISCHES STILPROFIL: Rücksichtslose Offensive, extrem intensives Pressing, Mann-gegen-Mann-Deckung
GRÖSSTE TRIUMPHE ALS COACH: Dreimaliger Meister in Argentinien 1991, 1992 (Newell's Old Boys) und 1998 (Vélez Sarsfield), Olympia Gold 2004 (Argentinien), Finale in der Europa League 2012 (Athletic Bilbao), Aufstieg in die Premier League 2020 (Leeds United)
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Der verrückte Trainer, der vielleicht der Beste der Welt ist
Marcelo Bielsa ist eine lebende Legende. Viele Experten sind sich einig, dass kein anderer Coach den Fußball so sehr beeinflusst hat wie der mürrische Argentinier. Die Wahrheit ist: Bielsa ist vom Fußball förmlich besessen.
Besonders Pep Guardiola wurde von seiner Arbeit stark beeinflusst. Als der scheidende City-Trainer nach seiner aktiven Karriere beschloss, selbst Trainer zu werden, reiste er eigens nach Argentinien, um mehr als zehn Stunden mit Bielsa über Fußball zu diskutieren. Bis heute ist Guardiola so begeistert von seinem Kollegen, dass er ihn einmal als den besten Coach der Welt bezeichnet hat.
Mit dieser Meinung steht er keineswegs allein. Der aktuelle US-Trainer Mauricio Pochettino schwärmte, dass eine ganze Generation von Trainern von ihm gelernt hat. Atléticos Erfolgstrainer Diego Simeone beschrieb Bielsas Arbeitsweise einmal so: Er lässt dich eine Übung so oft wiederholen, bis du sie perfekt beherrschst. Er nimmt dir das Nachdenken auf dem Feld ab, weil du genau weißt, wo der Ball hingehört.
Aber die Trainerikone hat nicht nur Bewunderer. Uruguays Star Luis Suarez hatte zwischenzeitlich seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Seine Begründung: Bielsa spaltet die Gruppe. Die Spieler haben ein internes Meeting abgehalten, um ihn zu bitten, uns zumindest guten Morgen zu sagen – er hat uns nicht einmal gegrüßt.
Bielsa ist ein Exzentriker, dem manchmal das Verständnis dafür fehlt, wenn jemand nicht dieselbe Leidenschaft für den Fußball zeigt wie er selbst. Während seiner Zeit bei Leeds United (2018 bis 2022) formte er den mittelmäßigen Zweitligisten in ein erfolgreiches Premier-League-Team um. Dabei gelang es ihm, scheinbar durchschnittliche Spieler auf internationales Niveau zu heben – auch durch seine brutalen Trainingsmethoden.
Als er bei Leeds anfing, ließ er die Profis zunächst drei Stunden lang den Müll rund um das Stadion aufsammeln. Der Grund: Er hatte ausgerechnet, dass ein durchschnittlicher Fan genau drei Stunden arbeiten muss, um sich eine Eintrittskarte leisten zu können.
Dass Bielsa ein Offensiv-Fanatiker ist, hängt laut eigener Aussage auch damit zusammen, dass sich der Stadionbesuch für die Fans lohnen soll. Schließlich würden sie nicht für langweiliges Ballgeschiebe bezahlen, sondern für leidenschaftliche Momente.
Zudem erfand er das sogenannte Murderball: ein Trainingsspiel über die volle Distanz ohne Schiedsrichter und ohne Pausen. Landet der Ball im Aus, wird sofort der nächste eingeworfen. Entsprechend laufen seine Teams die Gegner oft in Grund und Boden – allerdings neigen sie deshalb manchmal zu körperlichen Einbrüchen, was bei seinen Spielern als Bielsa Burnout bekannt ist.
Berühmt wurde er 2019 auch durch einen Spionage-Skandal. Er hatte einen Assistenten damit beauftragt, durch den Zaun hindurch eine Trainingseinheit von Derby County zu beobachten, was eine hohe Geldstrafe zur Folge hatte, die Bielsa schließlich aus eigener Tasche bezahlte.
Trotzdem ließ er sich die Gelegenheit nicht entgehen, bei der nächsten Pressekonferenz den anwesenden Journalisten eine 70-minütige PowerPoint-Präsentation zu zeigen, in der er darlegte, dass er das gegnerische Training gar nicht ausspionieren müsse, weil seine Datenbank ohnehin bereits jede einzelne Bewegung, jede Ecke und jedes psychologische Detail aller Spieler des Gegners aus den letzten zwei Jahren enthielt.
Die letzte Anekdote, die hier noch Platz finden soll: Bielsa verfolgt die Spiele seiner Mannschaft traditionell auf einer umgestürzten Getränkekiste – laut eigener Aussage, weil ihn seit Jahren starke Rückenschmerzen plagen.
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