"Herzschlagfinale" im Bundesliga-Abstiegskampf: Schadensbegrenzung oder "Wunder"?

"Herzschlagfinale" im Bundesliga-Abstiegskampf: Schadensbegrenzung oder "Wunder"?

Für Dieter Hecking bedeutet das trotz aller Herausforderungen eine positive Entwicklung. "Wir hatten das erwartet, dass es so ein Match geben könnte. Und nun blicken wir dem mit Freude entgegen", erklärte der VfL Wolfsburg Trainer vor dem entscheidenden Aufeinandertreffen gegen St. Pauli am Samstag (15.30 Uhr/Sky). Die unsicheren Wölfe von Hecking, die in großen Abschnitten der Spielzeit offensichtlich kraftlos wirkten, gelten als leichte Favoriten für den potenziell sichernden Platz 16.

Zum Match-Center: FC St. Pauli vs. VfL Wolfsburg

Ein Erfolg in diesem Spiel würde in der Regel ausreichen - es sei denn, Heidenheim mit seiner um drei Tore schlechteren Tordifferenz feiert gegen Mainz 05 gleichzeitig ein Torfestival. Zugleich genügte dem ehrgeizigen und finanziell starken VfL bei einem Heidenheimer Fehlschlag bereits ein Remis am Millerntor, um sich zum dritten Mal in der Klubgeschichte nach 2017 und 2018 in die Relegation (jeweils erfolgreich) zu qualifizieren.

Blessin setzt weiter auf die Rettung

Auf Berechnungen hat Hecking nach einer katastrophalen Saison keinerlei Interesse. "Es handelt sich um ein Ausscheidungsspiel, in dem viel Unvorhersehbares eintreten kann", unterstrich der 61-Jährige. Das Millerntor verkörpere "Begeisterung und Stimmung. St. Pauli besitzt Qualitäten, die schmerzhaft wirken können."

Davon ist auch der Trainer des HSV überzeugt. Vor dem "wichtigsten Match" der Spielzeit hält Alexander Blessin an der Möglichkeit der Rettung fest. Obwohl das seit neun Partien sieglose St. Pauli zuletzt den schwächsten Auftritt hatte - und die Entscheidung nicht mehr allein in den eigenen Händen liegt. Auch bei einem Triumph müssten die Hamburger darauf vertrauen, dass Heidenheim gegen Mainz nicht siegt oder nicht so deutlich.

Trotz alledem bleibt der Aufsteiger von 2024 fokussiert. "Es wäre ein Fehler, ständig am Telefon zu hängen oder zu verfolgen, was in Heidenheim läuft", meinte Blessin, der nach einer überstandenen Magen-Darm-Erkrankung wieder auf die Mehrzahl seiner Spieler zurückgreifen kann. Es komme darauf an, die Furcht in Kraft zu verwandeln, so der Trainer. Man wolle nur "dieses Spiel für sich entscheiden - und wir sind verpflichtet, es zu gewinnen".

Schmidt rechnet mit "Herzschlagfinale"

Siegessicher muss auch der FCH sein - falls das sensationelle Comeback gelingen soll. "Der Verbleib in der Liga", erklärte Trainer Frank Schmidt, "wäre ein Wunderwerk. Doch was wäre der Mensch, wenn er nicht daran glauben würde?" Vor Kurzem noch galt der Abstieg der kühnen Heidenheimer nach drei Jahren in der Bundesliga mit einem Europa-Abstecher als besiegelt. Mittlerweile lagen sie zehn Zähler hinter Platz 16 - bevor sie ihre beeindruckende Aufholjagd einlegten.

"Dies ist ein Herzschlagfinale, das bis zur Schlussminute spannend bleiben kann, niemand kennt das besser als wir", bemerkte Schmidt, der im Sommer unabhängig von der Liga in seine 20. und vermutlich abschließende Saison einsteigt - und für dessen Team nun alles möglich scheint; zwei Relegationsspiele gegen SV Elversberg (wie letztes Jahr), Hannover 96 oder SC Paderborn, die in der zweiten Division um den Aufstieg ringen, wirken plötzlich realistisch. Der Druck wäre freilich auch dann enorm, ähnlich wie am kommenden Samstag im großen Abstiegsschauplatz.