"Habt ihr mich vermisst?": Ganz Brasilien wartet auf Neymar – Kein Gruppenspiel?
Kaum etwas beschäftigt die stolze Fußballnation dieser Tage mehr als der Zustand ihrer angeschlagenen Ikone. Die Presse seziert jede Entwicklung, umso aufgeregter fiel die Reaktion aus, als Neymar am Mittwoch erstmals wieder mit dem Team auf dem Rasen des Trainingscamps in New Jersey stand. Sogar mit Fußballschuhen! Zwar nur fürs Aufwärmen, aber immerhin.
Dass Neymar im zweiten WM-Gruppenspiel gegen Haiti (Samstag, 2.30 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) in Philadelphia sein Comeback feiern wird, ist nahezu ausgeschlossen. Einige bezweifeln sogar, dass er rechtzeitig für den Gruppenabschluss am 25. Juni gegen Schottland fit werden wird, so wie es Trainer Carlo Ancelotti in der Vorbereitung in Aussicht gestellt hatte. Neymar spielt nicht - und versetzt die Heimat dennoch in Aufregung.
Zum Match-Center: Brasilien vs. Haiti
Ex-Hamburger Santos glaubt an Neymar
Die Stars anderer Nationen laufen schon zur Hochform auf, sie begeistern, ob Lionel Messi, Kylian Mbappé, Erling Haaland oder Harry Kane. Und Neymar? In den USA verbrachte er seine Zeit aufgrund seiner hartnäckigen Wadenverletzung bislang bei der Physiotherapie, mit leichtem Joggen oder im Kraftraum. Das brachte den brasilianischen Ableger von ESPN zur ernüchternden Analyse: "Es ist hart, wenn man sieht, dass der Starspieler des Rivalen real ist und der eigene nur Fiktion." Die wichtigste Frage, sie wird immer lauter gestellt.
Kann Neymar der Selecao sportlich überhaupt helfen, um die Leidenszeit von 24 Jahren ohne WM-Titel zu beenden? Oder kommt der Mann, der Kritikern zufolge nur nominiert worden war, weil Carlo Ancelotti der Mut für eine Nicht-Berücksichtigung gefehlt habe, nicht über die Rolle des Maskottchens hinaus? Das Team bete dafür, betonte Abwehrspieler Douglas Santos, dass Neymar "wieder zu 100 Prozent fit" werde, dann könne er "uns sehr helfen".
Doch auch sie werden wissen, dass sich die Karriere des einstigen 222-Millionen-Stürmers auf der Zielgeraden befindet. Seit dem 18. Oktober 2023 hat der Rekordtorschütze der Selecao, der in den vergangenen Jahren vom Verletzungspech verfolgt wurde, kein Länderspiel mehr absolviert. Den WM-Auftakt gegen Marokko (1:1) sah Neymar von der Bank aus, in der Trinkpause redete er wie ein Co-Trainer intensiv auf seine Mitspieler ein.
Ob sich an dieser Rolle im Turnierverlauf noch etwas ändert?