Das lange Warten hat ein Ende: Zwayers steiniger Weg zum WM-Debüt

Das lange Warten hat ein Ende: Zwayers steiniger Weg zum WM-Debüt

Auf dem FIFA-Foto zu seiner Ansetzung lächelt Felix Zwayer doch etwas gequält mit zusammengekniffenen Augen. Das Bild des Fußball-Weltverbands passt aber ziemlich gut, denn schließlich war es ein anstrengender Weg für den Schiedsrichter aus Berlin bis zu seinem WM-Debüt. Am Freitag hat das lange Warten ein Ende, Zwayer pfeift das Vorrundenspiel zwischen Co-Gastgeber USA und Australien (21.00 Uhr/MagentaTV und ARD) in Seattle.

Dass es zu diesem Happyend und vorläufigen Karriere-Höhepunkt kommt, erschien vor gerade einmal viereinhalb Jahren noch vollkommen ausgeschlossen. Zwayer musste damals durch ein tiefes Tal gehen, als seine Verstrickung in den Manipulationsskandal um Robert Hoyzer durch die Aussage von Jude Bellingham erneut thematisiert und über Wochen mit großen Schlagzeilen versehen wurde.

"Man gibt einem Schiedsrichter, der schon mal Spiele verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland", hatte der damalige Star von Borussia Dortmund im Anschluss an die Niederlage gegen Rekordmeister Bayern München (2:3) gewettert. Aufgrund der heftigen Debatte in der Folge stand Zwayer kurz davor, seine aktive Karriere zu beenden. Dass er sich für eine Fortsetzung seiner Laufbahn entschied und allen Kritikern zum Trotz nun bei der Endrunde aufläuft, dürfte eine große Genugtuung für den mittlerweile 45-Jährigen sein.

"Höchst verdiente" Nominierung

Nach Ansicht von Knut Kircher steht Zwayer, der in Seattle von seinen Assistenten Robert Kempter und Christian Dietz sowie der Vierten Offiziellen Katia Garcia aus Mexiko unterstützt wird, völlig zu Recht endlich bei einer WM auf dem Platz.

Als "höchst verdient" bezeichnete der deutsche Schiedsrichter-Chef die Nominierung seines Schützlings. "Er ist sehr professionell in seiner Einstellung auf und neben dem Platz", sagte Kircher dem SID: "Er hat sehr, sehr hohe Grundlagen von Fitness, Regelkenntnis und Spielvorbereitung, das zeichnet ihn national und international aus."

Kircher lobte zudem die "sehr hohe Entscheidungsqualität" Zwayers, zudem seine "sehr souveräne Kommunikation auch bei unpopulären Entscheidungen - da hat er den Mut und die Courage". Zwayer habe eine "sehr positive Entwicklung über Jahre" genommen.

Siebert geht leer aus

Diese Entwicklung war bereits vor zwei Jahren zu erkennen. Bei der Heim-EM bekam der Immobilienkaufmann gute Kritiken und durfte als Belohnung vier Partien leiten. Darunter das Halbfinale zwischen England (mit Bellingham) und den Niederlanden (2:1) - ausgerechnet in Dortmund.

Bei der Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada ist Zwayer als einziger deutscher Referee dabei. Sein Berliner Kollege Daniel Siebert durfte sich auch Hoffnungen machen, wurde von der FIFA aber nicht berücksichtigt und pfiff zum "Trost" des Finale der Champions League. Bastian Dankert fungiert als Video-Assistent in Dallas und war bereits im Einsatz.

Zwayer ist seit 22 Jahren DFB-Schiedsrichter. Seit 2009 leitet er Begegnungen der Bundesliga. Im Jahr 2012 stieg er zum FIFA-Referee auf. Im vergangenen Jahr durfte Zwayer das Finale der Europa League zwischen Tottenham Hotspur und Manchester United (1:0) leiten, zudem war er bei der Klub-WM im Einsatz. Nun also die "echte" WM. Vielleicht mit mehr Freude beim Lächeln nach der Premiere.