Gegenpol zu Klopp? Völlers DFB-Zukunft nach Abschied von "Ziehsohn" Nagelsmann offen
Wie geht es mit dem Weltmeister von 1990 weiter, wenn Klopp wirklich den Avancen des Deutschen Fußball-Bundes erliegt? Für Bastian Schweinsteiger ist die Antwort eindeutig. Klopp und Völler, da ist sich der Rio-Weltmeister sicher, "wären das Dreamteam". Völler "als Gegenpol" zu Klopp, "das würde schon gut passen", führte der ARD-Experte aus.
Doch so einfach ist es nicht. Völler, in Nagelsmanns Amtszeit dessen Bodyguard und väterlicher Freund, soll nach Sport1-Informationen seinen Rücktritt in Erwägung ziehen. Eine Entscheidung könnte er demnach "schon in der kommenden Woche verkünden". Eine Stellungnahme Völlers oder des DFB gab es nicht. Die Zukunft des 66-Jährigen hängt nach SID-Informationen in hohem Maße von den Vorstellungen des neuen Bundestrainers ab.
Völler sieht Nagelsmann als Ziehsohn
Für Völler ist der DFB stets eine Herzensangelegenheit gewesen. Rief der Verband, war der Liebling der Fans da - so auch, als eine "Task Force", der er selbst angehörte, Anfang 2023 einen Sportdirektor suchte. Sie fand: Rudi Völler, der schon 2000 - zunächst interimistisch - für den Verband an der Seitenlinie stand, letztlich bis 2004 blieb und mit dem Nationalteam bei der WM 2002 das Finale erreichte. Nach der Entlassung von Bundestrainer Hansi Flick 2023 sprang er sogar noch einmal als Trainer für ein Spiel (2:1 gegen Frankreich) ein. Sein Vertrag läuft bis 2028.
Bis zuletzt warf Völler sich schützend vor Nagelsmann und verteidigte ihn zunächst auch nach der WM-Blamage der Nationalmannschaft gegen alle Kritiker. Doch im Zuge der Aufarbeitung des Debakels rückte auch er von Nagelsmann ab, nach dem Krisengipfel am vergangenen Donnerstag verließ er mit gehobenem Daumen die DFB-Zentrale in Frankfurt/Main.
Seitdem wird über Völlers Rolle diskutiert. Klopp, 59, braucht angesichts seiner Erfahrung keinen Mentor. "Aber ich finde gerade Rudi Völler ganz wichtig, weil er die Erfahrung hat, er ist Weltmeister geworden, den würde ich schon gerne beim DFB weiterhin sehen", betonte Schweinsteiger. Völler kenne "das Geschäft". Er weiß, "was man braucht, um Veränderungen zu machen". Doch ist Völler dazu bereit?
Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig hat sich bereits anders entschieden. Er verlängert seinen am Jahresende auslaufenden Vertrag nicht. Für den Fall von Völlers Abgang werden schon Nachfolger gehandelt. Immer wieder fällt der Name Per Mertesacker, der acht Jahre erfolgreich in der Akademie des FC Arsenal arbeitete.
Völler und Klopp gemeinsam denkbar?
Der Weltmeister von 2014 signalisiert Bereitschaft. "Irgendwie mal beim DFB zu arbeiten, dem deutschen Fußball, dem ich auch so viel zu verdanken habe, mal was zurückzugeben, wenn das gewünscht ist - dafür stehe ich natürlich zur Verfügung", sagte Mertesacker im ZDF. Auch Schweinsteiger hatte zuvor erklärt, sich "nicht drücken" zu wollen.
Doch noch ist Völler im Amt. "Ihr seid ja mehr für die Komik zuständig", sagte er im eingangs erwähnten TV-Interview in Richtung Klopp und Müller. Lustig ist die Situation im deutschen Fußball derzeit nicht. Auch darüber könnte er bald mit Klopp sprechen.