Vom Fan zum Gegner: Leipzigs Antonio Nusa und sein WM-Traum gegen Neymar
Die fußballerische Parallele zu seinem Idol ist kein Zufall. Bereits nach seinem Durchbruch bei Stabæk betonte Nusa, dass er Neymars Unbeschwertheit und dessen Fähigkeit, Chaos in der gegnerischen Abwehr zu stiften, bewundere. Zwar nerven ihn die ständigen Vergleiche der Medien hin und wieder, doch die Inspiration bleibt. Nach einem ersten surrealen Treffen samt Trikottausch während einer Brasilien-Tour mit seinem aktuellen Verein RB Leipzig im Mai 2025 folgt nun das direkte Duell auf der ganz großen Weltbühne.
Zum Match-Center: Brasilien vs. Norwegen
Nusas fußballerischer Aufstieg verlief rasant. Schon mit 13 Jahren prophezeite ihm der damalige Inter-Jugendtrainer Cristian Chivu nach einem Jugendturnier eine große Karriere. In der heimischen Liga war das Ausnahmetalent seinen Altersgenossen so überlegen, dass die Trainer Spezialregeln für ihn einführen mussten, um ihn zu fordern. Über die Station Club Brügge, wo er mit 17 Jahren zum zweitjüngsten Torschützen der Champions-League-Geschichte wurde, führte sein Weg schließlich im Sommer 2024 für 21 Millionen Euro zu RB Leipzig. Trotz des schnellen Ruhms blieb Nusa geerdet: Zum Training in Leipzig erschien der Jungstar anfangs bescheiden mit dem Fahrrad statt im Sportwagen.
Doch der steile Aufstieg hatte auch Schattenseiten. Der frühe Wechsel nach Belgien mit gerade einmal 16 Jahren bedeutete für den Teenager eine schmerzhafte Phase der Isolation und Einsamkeit, die er später in einem erfolgreichen Buch über mentale Gesundheit im Fußball verarbeitete. Diese schwierige Zeit ließ ihn jedoch früh reifen. Um den Fokus nicht zu verlieren, nutzt Nusa bis heute ein persönliches Ritual: Zu Beginn jedes Jahres schreibt er sich selbst einen Brief mit geheimen Zielen, den er erst am Saisonende wieder öffnet.
Neymar-Fitness entscheidet über direktes Duell
Seine Frühreife stellt er vor allem in der norwegischen Nationalmannschaft unter Beweis, wo er in der Qualifikation bereits gegen Italien glänzte. Bei dieser Weltmeisterschaft krönte er seine Leistungen im Spiel gegen die Elfenbeinküste mit seinem ersten WM-Treffer, was ihn zum jüngsten norwegischen Turniertorschützen der Geschichte machte. Seinen emotionalen Torjubel widmete er seiner verstorbenen Großmutter. Trotz des aktuellen Rampenlichts vergisst der Profi nie seine Wurzeln und sucht nach den Spielen per Telefon sofort den Kontakt zu seinen alten Kindheitsfreunden im Heimatort Langhus.
Ob es am Sonntag tatsächlich zum direkten Duell kommt, hängt von Neymars Fitness ab, der nach einer Muskelverletzung von Trainer Carlo Ancelotti zuletzt geschont wurde. Für Nusa und das lange Zeit erfolglose norwegische Nationalteam ist das Erreichen der K.-o.-Runde ohnehin schon ein historischer Erfolg für das ganze Land. Dennoch greift der „norwegische Neymar“ nach den Sternen: Der Traum vom ganz großen Wurf lebt, und das emotionale Wiedersehen mit seinem Idol könnte der Startschuss für das wichtigste Spiel seiner noch jungen Karriere werden.