EXKLUSIV: Sandros knallhartes WM-Urteil – Viertelfinale als Brasilien-Stolperstein?

EXKLUSIV: Sandros knallhartes WM-Urteil – Viertelfinale als Brasilien-Stolperstein?

Obwohl das Starentsemble von Trainer Carlo Ancelotti als einer der Topfavoriten auf den historischen sechsten WM-Titel angereist ist, warnt Sandro vor verfrühtem Euphorie. Nach einem stotternden Turnierstart samt enttäuschendem 1:1 gegen Marokko rehabilitierten sich die Südamerikaner zwar mit überzeugenden Siegen gegen Haiti und Schottland. Mit sieben Punkten machten sie den Gruppensieg in der Gruppe C perfekt, doch nun wartet im Sechzehntelfinale die ungeschlagene Überraschungsmannschaft aus Japan, die sich in Gruppe F nur den Niederlanden geschlagen geben musste.

Während ein Sieg gegen die Asiaten den Einzug ins Achtelfinale bedeuten würde, richtet Sandro den Blick bereits auf die Zeit danach – und sieht das Viertelfinale als die ultimative Reifeprüfung, um den Erzrivalen und amtierenden Weltmeister Argentinien zu entthronen. "Wow, das ist das Schwierigste überhaupt. Ich versuche, mich klar auszudrücken; ganz klar. Okay, ich erwarte nicht, dass Brasilien das ganze Turnier gewinnt, weißt du, weil ich weiß, wie schwer das ist", gesteht Sandro offen.

"Ich will einfach, dass Brasilien ein gutes Turnier spielt. Im Viertelfinale – da könnten wir auf ein weiteres richtig starkes Team treffen. Denn dort sind die besten Nationalmannschaften, du hast Spanien, Argentinien, England. Ich glaube, ab dem Viertelfinale wird es sehr schwer. Aber wir könnten es schaffen, denn wir sind Brasilien und wir haben immer dieses Gefühl in unserer Seele."

"Ich sage: Wenn wir das Viertelfinale erreichen, bin ich zufrieden und danach sage ich einfach Danke an die Spieler. Aber weil ich ehrlich bin und ehrlich bleiben muss, unterstütze ich sie, stehe hinter ihnen. Realistisch betrachtet glaube ich, dass wir im Viertelfinale auf Probleme stoßen könnten."

Balance zwischen Jugend und Erfahrung: Vinicius als Hoffnungsträger

Sorgen bereitet dem 37-Jährigen vor allem die Hierarchie innerhalb der Mannschaft. Zwar lobt er den erfrischenden Auftritt der Talente in der Gruppenphase, betont jedoch, dass die gnadenlose K.-o.-Phase ganz andere Qualitäten erfordert. Als Beispiel nennt er Youngster Wesley, der sich erst noch an den immensen Druck im Nationaldress gewöhnen müsse. In den entscheidenden Momenten müssten nun die Routiniers vorangehen. Die wichtigste Rolle auf dem Platz schreibt Sandro dabei Vinicius Junior zu, der im bisherigen Turnierverlauf bereits viermal knipste.

"Ja, ich mache mir nur Sorgen, weil wir ein paar Spieler haben, die so etwas wie die K.-o.-Phase noch nie erlebt haben, wie zum Beispiel Wesley", führt Sandro aus. "Ich hoffe, dass die erfahrenen Spieler den jungen helfen können. Denn bei einer WM wartet niemand, niemand gibt dir Zeit. Ich glaube, Vinicius wird Brasiliens Star in der K.-o.-Phase. Ich denke, er ist bereit. Und wenn Neymar dabei ist, wird Vinicius sich zeigen. Und er ist der Spieler, der im Kader am ehesten bereit für die WM ist. Er hat die Top-Wettbewerbe erlebt. Er ist jetzt bereit, eine starke restliche WM zu spielen."

Kabinen-Leader Neymar und das Härtefall-Dilemma

Auch wenn Superstar Neymar verletzungs- oder fitnessbedingt nicht mehr jede Minute auf dem Rasen stehen kann, ist seine Nominierung für den elffachen Nationalspieler Sandro alternativlos. Der Wert des ehemaligen Barcelona-Profis messe sich längst nicht mehr nur an Toren, sondern an seiner Mentor-Rolle abseits des Platzes.

"100%! Neymar musste dabei sein", stellt der Ex-Mittelfeldakteur klar. "Ich habe nie erwartet, dass Neymar 90 Minuten spielt. Ich habe nie erwartet, dass Neymar jedes Spiel macht. Nein, ich habe nur erwartet, dass Neymar dabei ist, um die Jungs zu coachen, mit ihnen zu sprechen und zu sagen: Leute, wenn ihr mich braucht, sprecht mich an. Leute, macht dies, macht das, denn im Fußball ist es so wichtig, solche Spieler zu haben, die dir den Weg zeigen."

Dass für diesen Luxus andere hochkarätige Profis weichen mussten, bringt die Natur der Sache mit sich. So zeigt Sandro volles Verständnis für die Nichtberücksichtigung von Chelsea-Knipser Joao Pedro, auch wenn ihn die Entscheidung persönlich schmerzt. "Ja, ich war sehr traurig, weil Pedro auch ein Freund ist. Aber es ist sehr schwierig, so viele gute Spieler zu haben – du kannst nicht alle mitnehmen! Das ist das Problem, das sich jeder Trainer wünscht."

Sollte die Seleção die Hürde Japan überspringen, wartet im Achtelfinale im MetLife Stadium (East Rutherford) der Sieger der Partie zwischen der Elfenbeinküste und Norwegen. Spätestens dann wird sich zeigen, ob Sandros skeptischer Realismus begründet war.

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