Emile Heskey über WM-Erinnerungen und Beckhams Einkaufszentrum: Ronaldo ist der Beste

Emile Heskey über WM-Erinnerungen und Beckhams Einkaufszentrum: Ronaldo ist der Beste

Nach seinem Debüt für England im Jahr 1999 und zwei kurzen Einsätzen bei der EURO 2000 gewann Heskey schnell an Fahrt im Nationalteam.

An einem regnerischen Abend im September 2001 traf der damalige Liverpool-Spieler in München zum Endstand des legendären 5:1-Sieges gegen Deutschland in der WM-Qualifikation. Dieses Spiel beschrieb er gegenüber Flashscore als das beste seiner Laufbahn.

Aufgrund seiner bedeutenden Rolle im Team von Sven-Göran Eriksson ging für Heskey ein Jahr später ein Kindheitstraum in Erfüllung: Er wurde in den 23-köpfigen englischen Kader für die WM 2002 in Südkorea und Japan berufen.

Frage: Welchen Stellenwert hat die WM-Teilnahme für Ihre Karriere?

Ganz oben. Als Kind sammelt man diese Erinnerungen, wenn man die WM verfolgt. Ich sah John Barnes spielen, Gary Lineker stammte aus Leicester, daher schaute ich ihm beim Tore schießen zu. Und dann träumt man davon, selbst einmal dabei zu sein.

F: Wie empfanden Sie die Atmosphäre bei Ihrer ersten WM?

Es ist nicht einfach. Man versteht sich gut, und viele von uns sind zusammen aufgewachsen. Ich kannte natürlich Michael (Owen), und da ich damals bei Liverpool spielte, kannte ich auch einige andere Liverpool-Spieler. Aber interessanterweise ist man in einem fremden Land und bekommt davon kaum etwas mit. Man sieht eigentlich nur sein Hotelzimmer und verschiedene Hotelräume.

F: Was war die größte Herausforderung neben dem Platz?

Langeweile war ein großes Problem. Besonders für Spieler, die nicht gerne allein sind, und davon gab es einige.

F: Gab es trotzdem Möglichkeiten, dem Alltag im Teamhotel zu entfliehen?

Wir hatten Glück, weil wir David Beckham hatten. Er ließ kurzerhand ein ganzes Einkaufszentrum für uns schließen, sodass wir dort herumlaufen konnten. Hauptsächlich, um überhaupt einmal das Hotel zu verlassen.

F: England wurde nach einem 1:0-Sieg gegen Argentinien Gruppenzweiter. Im Achtelfinale gegen Dänemark erzielten Sie beim 3:0-Sieg Ihr erstes WM-Tor. Im Viertelfinale war dann gegen Brasilien Schluss: Die spätere Weltmeistermannschaft gewann 2:1. Wie sehr hat das Ausscheiden gegen Brasilien geschmerzt?

Ohne Ronaldo, Rivaldo und Ronaldinho hätten wir wohl eine sehr gute Chance gehabt, das Turnier zu gewinnen. Es war schmerzhaft. Und persönlich war ich noch nicht bereit, nach Hause zu reisen. Ich wollte weitermachen.

F: War Ronaldo der beste Angreifer, gegen den Sie je gespielt haben?

Ja. Meiner Meinung nach ist Ronaldo der beste Stürmer aller Zeiten.

F: Nach der EURO 2004 verloren Sie zunächst Ihren Platz im Nationalteam und wurden über drei Jahre lang nicht berücksichtigt. Trotzdem haben Sie immer an eine Rückkehr geglaubt. Haben Sie jemals gezweifelt, wieder für England zu spielen?

Nein. Ich war mir sicher, dass ich wieder spielen würde. Ich wusste, was ich leisten und zum Team beitragen kann. Es war nur eine Frage der Zeit.

F: Nachdem die EURO 2008 verpasst wurde, übernahm Fabio Capello die englische Nationalmannschaft und führte sie zur WM 2010 in Südafrika. Wie haben Sie Fabio Capello erlebt?

In mancher Hinsicht war er sehr streng. Er schrie und brüllte. Für mich war das in Ordnung, da ich solche Methoden bereits aus der Akademie kannte. Aber einige Spieler kamen damit nicht klar und mochten das gar nicht.

F: Sind Sie persönlich mit ihm aneinandergeraten?

Ich habe ihn ein paar Mal zur Weißglut gebracht. Dann schrie er und warf Gegenstände umher.

F: Trotz hoher Erwartungen war die WM 2010 enttäuschend. England erreichte nach Unentschieden gegen die USA und Algerien sowie einem Sieg gegen Slowenien das Achtelfinale und verlor dort deutlich mit 1:4 gegen Deutschland. Warum war England 2002 erfolgreicher als 2010?

Ich denke, es lag einfach an der Spielerqualität. 2002 hatten wir wirklich außergewöhnlich gute Fußballer. Das soll nicht heißen, dass wir 2010 keine Topspieler hatten. Aber ich hatte den Eindruck, dass wir 2002 vielleicht noch etwas mehr Qualität hatten.

F: Die sogenannte "Goldene Generation" Englands kam zwischen 2002 und 2006 weder bei Welt- noch Europameisterschaften über das Viertelfinale hinaus. War diese Generation letztlich eine Enttäuschung?

So würde ich das nicht betrachten. Damals hatten viele Nationen außergewöhnliche Teams. Frankreich, Portugal und Brasilien - jede große Nation hatte damals ihre eigene goldene Generation.

F: Denken Sie dennoch manchmal darüber nach, was möglich gewesen wäre?

Ja. Ich denke, 2002 waren wir dem Titel so nah wie nie zuvor.