Dominanz festigen: Bayern-Frauen sichern sich Double und unterstreichen Überlegenheit
"Man muss fair zugeben, dass die Bayern uns überflügelt haben, da sie exzellente Arbeit leisten", erklärte die abtretende Kapitänin des VfL Wolfsburg, mit der sie in 14 Jahren 20 Titel errungen hat. Jetzt ist der FC Bayern unzweifelhaft das Vorbild in Deutschland, wie auch VfL-Coach Stephan Lerch einräumte. Und im Frauenfußball zeichnet sich eine ähnliche Einseitigkeit ab wie in der Männerrunde der Bundesliga.
Zum Spielzentrum: VfL Wolfsburg gegen Bayern München
Denn der Abstand hat sich noch weiter vergrößert. Die Bayern feierten mit dem zweiten Double in Folge und 71 Zählern vor dem abschließenden Bundesliga-Tag am Sonntag ihre bisher beste Saison. "Wir werden noch lange feiern", prophezeite Linda Dallmann nach dem deutlichen 4:0 (1:0)-Sieg über den VfL zum Einstieg in die Siegesnacht.
Die Fakten sind klar: Kein Gegentor in der gesamten Pokalsaison für die Münchner, unbesiegt und mit 16 Punkten Vorsprung vor Wolfsburg strebten sie zum vierten Titel in Serie. "Wir besitzen eine beeindruckende Qualität", betonte Dallmann: "Langfristig hilft das gegen andere Teams, weil wir flexibel umstellen können."
Abstand zur Weltelite
Doch laut José Barcala hat sein Top-Team noch viel Potenzial. Thema: verpasster Triple. Erstmals erreichten sie in dieser Saison das Halbfinale der Champions League, scheiterten aber an FC Barcelona. "Es bleibt eine Kluft zu den europäischen Spitzenmannschaften", urteilte der Bayern-Trainer: "Dorthin wollen wir. Das ist unser Antrieb."
Die heimische Konkurrenz hinkt nach. Immer mehr DFB-Talente wie Selina Cerci oder Nicole Anyomi verlassen die Bundesliga, besonders England reizt mit besseren Verträgen und intensiverem Wettbewerb um den Titel. Sogar die Bayern verabschieden Europameisterin Georgia Stanway.
Dieser Abwanderungstrend macht der DFB-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball, Heike Ullrich, natürlich Kopfzerbrechen. "Wir geraten zunehmend in die Muster des Männerfußballs, so diktiert der Markt", äußerte die Verantwortliche in einer Pressegespräch am Pokalfinale.
Bühl lobt Popp
Mit Popp verliert die ohnehin durch die Trennung vom DFB unsichere Bundesliga eine ihrer größten Attraktionen, eine "riesige Lücke" entsteht nicht nur bei Wolfsburg, schätzte Lerch. Ab Sommer wechselt die 35-Jährige zu ihrem Lieblingsklub Borussia Dortmund, der derzeit um den Aufstieg aus der Zweiten Liga ringt.
Nicht nur ihre Mitspielerinnen werden die beliebte Persönlichkeit mit ihrer Ausstrahlung vermissen. "Sie hat den Frauenfußball vorangebracht und der deutschen Szene die Erfolgsmentalität vermittelt, die für Siege essenziell ist", lobte Bayerns Klara Bühl, doch vielleicht kehre sie in "zwei oder drei Jahren" in die Bundesliga zurück. "Ja", erwiderte Popp auf diese Frage mit einem schelmischen Grinsen, "das ist der Plan."