Die "Ronaldomaniacs“ als CR7-Superfans: Wenn ein Spieler größer ist als das Team
Auf den ersten Blick sind sie kaum von normalen Portugal-Fans zu unterscheiden. Doch fragt man sie nach anderen Stars aus dem Kader von Nationaltrainer Roberto Martínez, erntet man meist nur ratlose Blicke. Namen wie Vitinha, Bruno Fernandes oder Bernardo Silva werden mit einem achselzuckenden "Who?" quittiert. Die Ergebnisse der Mannschaft? Für diese Fans völlig nebensächlich.
Wie extrem dieses Phänomen ist, zeigte sich bereits beim Auftaktspiel Portugals gegen die Demokratische Republik Kongo (1:1) im ausverkauften NRG Stadium in Houston. Die Arena war ein einziges rotes Meer, doch die Gesänge galten fast ausschließlich dem Kapitän. Schon Ronaldos erster Ballkontakt ließ das Stadion beben. Als der Stürmer in der zweiten Halbzeit zwei Großchancen vergab, schrammte Texas nur knapp an einem gefühlten Erdbebenalarm vorbei.
Zwischendurch erzielte zwar João Neves das erste Turniertor für Portugal – der Jubel war groß, reichte aber bei Weitem nicht an den Lärmpegel heran, den Ronaldo mit jeder einfachen Aktion auslöste.
Vor dem anstehenden Gruppenspiel gegen Usbekistan zeichnet sich am selben Ort genau dasselbe Bild ab: Eine regelrechte Invasion der Nummer 7. Der typische Ronaldomaniac ist dieses Mal aus den USA oder Mexiko angereist. Viele kommen auch aus Asien, wo der mittlerweile 41-jährige Stürmer wie ein Gott verehrt wird, oder aus Südamerika. Das führt zu skurrilen Bildern: Kinder und Erwachsene tragen das Portugal-Trikot kombiniert mit texanischen Cowboyhüten oder traditionellen mexikanischen Wrestling-Masken.
Vom Popstar zur globalen Religion
Die Ronaldomania ist längst ein alltägliches Phänomen in den USA. Auch an spielfreien Tagen sieht man die Rückennummer 7 überall – an Flughäfen, in Supermärkten und Restaurants von Miami bis Texas.
Schon zu Beginn seiner Karriere mit 17 Jahren wurde Ronaldo bei Manchester United und Real Madrid zum Popstar. Doch astronomische Ausmaße nahm der Hype 2023 mit seinem Wechsel zu Al-Nassr nach Saudi-Arabien an. Seitdem gleicht die Begeisterung fast einer Religion, bei der das "Siiiiiiu" zum weltweiten Hauptgebet geworden ist. Während bei der Euro 2024 in Deutschland die große portugiesische Community der Ronaldomania noch die Waage halten konnte, sind die reinen Ronaldo-Pilger bei dieser WM im Sommer 2026 im Gastgeberland eindeutig in der Überzahl.
Abseits des Personenkults steht für Portugal heute das zweite Gruppenspiel an. Im NRG Stadium in Houston geht es gegen den WM-Neuling Usbekistan, der nach einer 1:3-Auftaktniederlage gegen Kolumbien dringend Punkte braucht und diesmal von rund 7.000 eigenen Fans unterstützt wird. Anstoß ist um 12:00 Uhr Ortszeit (19:00 Uhr MESZ), geleitet wird die Partie vom marokkanischen Schiedsrichter Jalad Jayed.
Zum Match-Center: Portugal vs. Usbekistan
Nach dem ersten Spieltag führt Kolumbien die Gruppe K mit drei Punkten an. Portugal und die DR Kongo folgen mit jeweils einem Zähler, während Usbekistan noch punktlos ist. Das Gruppenfinale bestreitet Portugal am 27. Juni in Miami gegen Kolumbien.
Die WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada ist die erste Endrunde der Geschichte, die mit 48 Teams ausgetragen wird, und läuft noch bis zum 19. Juli.