Die finanzielle Hilfe des "Scheichs" ist versiegt: 1860 München steht am Abgrund
Als die erneute Zwangsabstufung bekannt gegeben wurde, vergossen viele Fans des TSV München von 1860 e.V., die sich vor der Vereinsgeschäftsstelle an der Grünwalder Straße eingefunden hatten, Tränen. Der Verantwortliche für den Fall in die Regionalliga und die ungewisse Perspektive war rasch identifiziert: "Scheiß' auf den Scheich" schallte es aus der Menge.
Hasan Ismaik, in Kuwait geboren und jordanischer Staatsbürger, ist ein reicher Unternehmer, aber kein Scheich. Der Titel klingt einfach gut. Der 48-Jährige ist seit 2011 Mehrheitseigner der TSV München von 1860 GmbH und Co. KGaA, in die er Berichten zufolge 60 bis 80 Millionen Euro investiert hat. Da er nun Kreditverträge gekündigt und den Finanzhahn abgedreht hat, steht der Verein vor dem Zusammenbruch.
Bis Mittwoch um 17.00 Uhr mussten die Löwen eine Finanzlücke von 2,7 Millionen Euro schließen, um vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Lizenz für die 3. Liga zu erhalten. Die notwendigen Mittel, so Ismaik, "standen für eine sofortige Umsetzung bereit, leider ist es am Ende nicht gelungen, den notwendigen Konsens zwischen den Parteien zu erreichen". Das Problem: Der angestrebte "Konsens" wäre mit der 50+1-Regel nicht vereinbar gewesen.
"Der Verein ist größer als eine einzelne Saison"
Ismaik erklärte, er habe versucht, "die Bereitstellung neuer Mittel mit klaren strukturellen Reformen zu verbinden". Daran seien die Last-Minute-Verhandlungen zwischen der Vereins- und der Investorenseite letztlich gescheitert. "Wir haben verhandelt, aber irgendwo gibt es Grenzen, wo wir nicht Ja sagen konnten", so Vereinspräsident Gernot Mang. Auch der Hauptsponsor zog am Mittwochabend die Reißleine und kündigte seinen sofortigen Ausstieg an.
Die Löwen, die bereits etwa 10.000 Saisonkarten für die 3. Liga ausgestellt haben und am Samstag gemeinsam mit Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger einen Fanshop am Münchner Flughafen eröffnen möchten, gehen laut einer Vereinsmitteilung vom Schlimmsten aus. Darin steht: "Die Geschäftsführung (...) arbeitet derzeit eng mit erfahrenen Sachverständigen und Beratern aus dem Bereich Insolvenzrecht zusammen."
Sportlich könnten die Löwen einen Neuanfang in der Regionalliga, in die sie schon 2017 wegen fehlender Lizenz für die 3. Liga versetzt wurden, mit ihrer U21-Mannschaft stemmen, die gerade Meister der Bayernliga wurde. Zudem sind sie für die erste Runde des DFB-Pokals qualifiziert, was dem deutschen Meister von 1966 immerhin 211.886 Euro einbringt.
Und wo steht Ismaik? "Dieser Verein", schrieb er, "ist größer als eine einzelne Saison und größer als jede Krise". Diesmal jedoch könnte die Krise größer sein als der Verein.