Didier Deschamps: Ein letzter Titelangriff in traurigen Tagen
Didier Deschamps sprach gewohnt ruhig, aber voller Nachdruck. Bei der Rückkehr in den Kreis seiner Stars machte Frankreichs Trainer unmissverständlich klar, dass er auf seiner letzten Mission am großen Ziel festhält – ungeachtet der traurigen Tage, die hinter ihm liegen. Wie es dabei nach dem Tod seiner Mutter in ihm aussah, ließ sich nur erahnen.
"Jetzt", sagte Deschamps, der nach der Beisetzung am Samstag in die USA zurückgekehrt und in das letzte Kapitel seiner Erfolgsära gestartet war, sei es seine Aufgabe, Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé, Michael Olise und all die anderen Ausnahmekönner "daran zu erinnern, dass wir zu Großem fähig sind". Er warnte zugleich, dass es ab sofort jederzeit vorbei sein könne - mit dem Traum vom dritten WM-Titel und seiner Hoffnung auf einen krönenden Abschluss.
Schritt für Schritt
"Je weiter wir kommen, desto stärkere Gegner werden uns gegenüberstehen", sagte der 57-Jährige seinen Profis vor dem Sechzehntelfinale am Dienstag (23.00 Uhr MESZ/MagentaTV) gegen Schweden. Vielleicht wartet in einem möglichen Achtelfinale das deutsche Team, doch Deschamps rief dazu auf, "Schritt für Schritt" voranzugehen: "Wir steigen den Berg hinauf."
Der Ex-Profi, der Les Bleus als Trainer zum WM-Titel 2018, dem Nations-League-Gewinn 2021 und in zwei weitere Finals bei großen Turnieren geführt hatte, strebt nach dem Maximum. Mit einem weiteren Triumph könnte er seine beeindruckende Bilanz veredeln - und die ohnehin riesigen Fußstapfen, in die Ikone Zinédine Zidane treten soll, nochmals vergrößern.
Im Januar 2025 hatte Deschamps verkündet, dass er sein Amt nach 14 Jahren im Anschluss an die WM niederlegen werde. Selbst Emmanuel Macron gab zu, dass er den Erfolgscoach vermissen werde: Deschamps, betonte der Staatspräsident kürzlich, sei für Frankreich "der Nationaltrainer der glücklichen Tage".
Eine Erfolgsgeschichte
Die Grande Nation erholte sich gerade von der Meuterei bei der WM 2010 gegen den damaligen Trainer Raymond Domenech, als Deschamps mit dem Neuaufbau begann. Der hatte bald Erfolg: Dem Kapitän von 1998 gelang es als Drittem nach Mario Zagallo und Franz Beckenbauer, als Spieler und Trainer Weltmeister zu werden.
Als akribischer Arbeiter und pragmatischer Menschenführer wird Deschamps geschätzt, doch immer wieder regte sich über die Jahre Kritik an der mitunter wenig mitreißenden Spielweise seines Starensembles. Vor allem die Reaktionen auf das Halbfinal-Aus bei der EM 2024 trafen ihn, auch deshalb, heißt es vielerorts, wolle Deschamps es seinen Kritikern nochmal beweisen.
Seine furchteinflößende Offensivmaschine läuft bisher auf Hochtouren, doch in der K.o.-Phase muss sich Deschamps der Stabilisierung seiner wackligen Defensive widmen. "Es ist zwar derselbe Wettbewerb", sagte der Coach, der das Spiel gegen Norwegen (4:1) wegen seines persönlichen Schicksalsschlages verpasst hatte, "aber gleichzeitig ein völlig neuer Abschnitt." Sein letzter.
Verfolge die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026™ mit ZDF bei Prime Video – LIVE-Übertragungen, Highlights und Analysen