"Because maybe": Kane und Tuchel schüren Englands Titel-Traum

"Because maybe": Kane und Tuchel schüren Englands Titel-Traum

Harry Kane sang auf dem Rasen zögerlich mit, als ihm Tausende englische Kehlen den Oasis-Klassiker "Wonderwall" von den Rängen entgegenschmetterten. Von einer Person ist in diesem Song die Rede, die Hoffnung gibt und Rettung verspricht - und für einen Augenblick schien es, als seien die Zeilen nur für den Torjäger des FC Bayern geschrieben worden. Englands 60-jähriger Titelfluch - er könnte dank Hoffnungsträger Kane wirklich enden.

Mit zwei Toren und einer starken Leistung war Englands Kapitän beim verdienten 4:2 (2:2) gegen Kroatien vorangegangen. Der Start in die WM ist geglückt, nicht zuletzt für Kane, der mit Englands WM-Rekordtorschütze Gary Lineker (beide zehn Tore) gleichzog. Die Verantwortung für den Erfolg sprach Kane dennoch in erster Linie Trainer Thomas Tuchel zu. Der deutsche Coach hatte in der Pause schließlich die richtigen Worte gefunden und ein beeindruckendes Offensiv-Feuerwerk entfacht.

Zum Spielbericht: England vs. Kroatien

Tuchels Pausenansprache fruchtet

"Er hat er eine großartige Ansprache gehalten", sagte Kane über Tuchels Pausen-Predigt: "Er hat uns einfach gesagt, dass wir die Fesseln abwerfen sollen." Genau das taten Kane und die anderen Stars. Jude Bellingham traf (47.), auch Kane hätte nach seinen Treffern im ersten Durchgang (12./Foulelfmeter, 42.) nachlegen können. Am Ende besorgte Marcus Rashford (85.) den Schlusspunkt. Martin Baturina (36.) und Petar Musa (45.+5) waren für Kroatien erfolgreich.

Den größten Einfluss in Dallas hatte jedoch Kane hinterlassen. "Er ist ein absoluter Anführer und voll dabei. Er ist körperlich voll dabei, er ist mental voll dabei", sagte Tuchel: "Er ist im Moment das Gesamtpaket, er will es unbedingt und geht mit gutem Beispiel voran."

Kane war mehr als nur Torschütze und Zielspieler im Angriff. Der 32-Jährige ließ sich zurückfallen, half beim Spielaufbau, schaffte Überzahl im Mittelfeld, leitete das Pressing ein und war seiner Mannschaft wie im Alltag bei Bayern München in vielerlei Hinsicht eine Stütze. "Ich muss am Spiel beteiligt sein. Ich muss den Ball bekommen, passen und laufen können", sagte Kane: "Letztlich komme ich auf diese Weise ohnehin zu mehr Torchancen."

Messias Kane?!

Diese hatte es in der ersten Halbzeit kaum gegeben. Der schwache erste Abschnitt, der Tuchels Kabinenansprache erst nötig gemacht hatte, geriet angesichts der Dominanz zu Beginn des zweiten Durchgangs etwas in Vergessenheit. Man habe zu lange in der Entscheidungsfindung gebraucht, monierte Tuchel, "aber wir genießen den Moment. Wir haben genug Zeit, um das zu verbessern, was verbessert werden muss."

Im Sturmzentrum haben die "Dallas Wowboys", wie das englische Boulevardblatt Sun Tuchels Team in Anlehnung an den Spielort Dallas und dessen NFL-Team Cowboys taufte, nichts zu verbessern. Dort spielt Harry Kane in Bestform: "Ich habe das Gefühl, dass ich genau zum richtigen Zeitpunkt den Höhepunkt meiner Leistungsfähigkeit erreicht habe."

Ein Retter, wie er in "Wonderwall" besungen wird, ist für die Three Lions in Sicht.