Fünf Wochen vor WM-Start: Uli Hoeneß erneuert Nagelsmann-Kritik
"Falls jemand an einer Weltmeisterschaft teilnimmt und keine echte Weltklasse-Team besitzt, was aus meiner Perspektive derzeit nicht der Fall ist, dann gelingt Erfolg nur durch den Zusammenhalt der Mannschaft, durch das Teamkonzept, wie Vincent es demonstriert hatn", fügte Hoeneß hinzu.
Er sorgt sich dafür, dass "zum Auftakt der WM eine Formation aufs Feld geschickt wird, die zuvor noch nie gemeinsam gespielt hat. Das klappt nicht." Gegenwärtig erkennt er "weder in der Defensive noch im Offensivbereich eine klare Strategie", bemängelte der Weltmeister von 1974 und stellte die Frage: "Welcher Spieler ist unser zentraler Stürmer? Wer hütet das Tor? Wer ist der rechte Verteidiger, wer der linke?"
Hoeneß hört sich "Erfolg" für Nagelsmann
Die genannten Punkte lassen sich mit den Namen Oliver Baumann, Joshua Kimmich und David Raum rasch klären. Nagelsmanns Experimente mit der Startaufstellung für das WM-Debüt am 14. Juni gegen Curacao in Houston resultieren teilweise aus vielen Verletzungen, die den Nationaltrainer während der uneinheitlichen Qualifikation zu Änderungen gezwungen haben. Serge Gnabry muss sogar die gesamte WM auslassen.
Hoeneß unterstellt dem Ex-Bayern-Coach Nagelsmann zudem eine unzureichende Neigung zur Selbstreflexion. Nach ihrem Austausch habe Nagelsmann "etwas verärgert" gewirkt. Trotzdem habe er "gegenüber Julian nichts Schlechtes im Sinn. Ich erhoffe mir nur, dass er über diese Hinweise nachdenkt, dass Leute wie ich oder kürzlich Matthias Sammer, die Ähnliches andeuten, ihm keinen Misserfolg günnen, sondern seinen Triumph."
Bei Nagelsmann vermisse er ein wenig "diese Offenheit, zuzuhören und Vorschläge aufzunehmen", meinte Hoeneß: "Mit seinen Wahlentscheidungen muss er klarkommen. Bei Erfolg gratuliere ich ihm als Erster. Bei Misserfolg wird es für ihn herausfordernd."