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EXKLUSIV: "Wir koennen den Wettbewerb siegen" - Strassburgs Coelho zum Conference League Turnier

EXKLUSIV: "Wir koennen den Wettbewerb siegen" - Strassburgs Coelho zum Conference League Turnier

Nach ueber 17 Jahren bei Benfica, in denen er entscheidend zur Foerderung von Talenten und zur Ausformung der Spielphilosophie beigetragen hat, hat Coelho seine vertraute Umgebung verlassen, um sich frischen Anforderungen zu stellen. Ueber Stationen bei Estoril, wo er den Liga Triumph und den Pokal Erfolg feiern konnte, und Chelsea gelangte er schliesslich nach Strassburg in das Trainerteam um Gary O’Neil.

Im Interview blickt der Portugiese auf seine Anfaenge in Seixal zurueck, erlaeutert den Einfluss der "Reds" auf seine Sicht aufs Fussball Spiel und hebt Joao Neves als das "vielleicht vielseitigste Talent" hervor, das er je betreut hat. Von seinem taeglichen Leben im Elsass bis hin zum Wunsch, eines Tages als Haupttrainer in seine portugiesische Heimat zurueckzukehren, diskutiert Coelho ueber den Nutzen portugiesischer Trainer im Ausland, die Fortschritte bei Strassburg und das entschiedene Ziel: der Gewinn des Conference League Titels.

Sie haben 17 Jahre bei Benfica gearbeitet. Inwiefern hat diese Phase Sie als Trainer und als Fuehrer geformt?

"Ich owe meine heutige Persoenlichkeit hauptsaechlich den Erlebnissen bei Benfica. Der Klub hat mir unglaublich viel vermittelt, doch ich habe auch viel fuer die Leute dort eingebracht. Es war eine wechselseitige Entwicklung. Ein Verein wie Benfica eroeffnet besondere Moeglichkeiten: Top Wettkaempfe und Auseinandersetzungen mit den besten Jugendausbildungen weltweit. Das schafft eine solide Basis und einen Schatz an Erfahrungen, der sich nicht bloss auf Papier festhalten laesst."

Haben Sie in der Jugendarbeit vor allem ueber das Gewinnen oder ueber das Trainieren gelernt?

"Ich habe begriffen, dass hochwertiges Training die Chancen auf dauerhafte Erfolge erheblich steigert. Wenn ich aktuelle Initiativen betrachte, finde ich mich in denen wieder, die sich Ausdauer lassen. Zeit ist natuerlich relativ: Ohne Erfolge kommt man nicht weit. Doch echte Nachhaltigkeit erfordert Freiraum. Bei Benfica gibt es von der U10 bis zu den Profis stets den Druck zum Siegen. Aber ich weiss nun: Der Sieg waere viel naeher, wenn wir mit Hingabe zu Details, fundiertem technischen Wissen und Betonung auf den Einzelnen arbeiten."

Ist Talent von Geburt an gegeben oder entsteht es taeglich durch Arbeit?

"Talent dient nur als Ausgangspunkt. Manche starten mit mehr, aber es wird taeglich aufgebaut. Die Umgebung, die Trainingsqualitaet und die Bedingungen bestimmen, ob es sich entfaltet oder verkummert. Hier kommt es auf das Trainerteam an. Talent ist jedoch nuanciert: Es dreht sich nicht allein um Technik. Es gibt Spieler mit dem Talent fuer Fleiss, Kampfgeist und Teameingliederung. Ein starkes Team setzt auf vielfaeltige Typen, die klug kombiniert werden muessen."

Welche Spieler haben Sie auf Ihrem Pfad besonders fasziniert?

"Joao Neves - ich betone es stets - gilt als das rundumste Talent, das ich je gesehen habe. Er ist sportlich hochgradig flexibel. Seine Kindheit im Strassenfussball an der Algarve hat ihm eine besondere technische Grundlage verliehen. Hinzu kommt die Faehigkeit, seine Koerperkraft ideal ans Spiel anzupassen. Seine Begeisterung und sein profimässiger Ansatz machen ihn zum Ideal fuer andere. Sein Aufstieg wundert mich daher keineswegs."

Konnten Sie bereits damals vorhersagen, was aus ihm werden wuerde?

"Im Fussball gibt es keine Zauberkugeln. Aber bei Joao erkannte man einen Jungen, der nur Loesungen sah, nicht Hindernisse. In seiner Ausbildung war er ueberaus beständig, weshalb man schnell auf ihn baute. Einige zweifelten an seiner Konstitution fuer den Profibereich, doch ich halte den Verstand fuer entscheidender als den Koerper. Er erfasst das Spiel so treffend, dass er sogar bei Eckballen wirkt. Seine Bescheidenheit und sein familiärer Hintergrund haben ihn zum Spieler von heute geformt. Zu ihm pflege ich eine enge Beziehung."

Nach Benfica haben Sie bei Estoril, Chelsea und jetzt Strassburg neue Impulse gesucht. War der Schritt aus der Komfortzone richtig?

"Ganz sicher. Bei Benfica muss man sich ewig selbst pushen, um nicht stillzustehen. Doch ich wollte nicht ewig nur als Jugendtrainer abgestempelt werden. Estoril war der ideale Folgeschritt. Dort machten wir unsere Arbeit durch Titel sichtbar. Diese Aufmerksamkeit oeffnete mir den Weg zur U21 bei Chelsea. Meine Spielvorstellung passte zu der von Enzo Maresca: Aufbau aus der Tiefe, Ueberzahlsituationen erzeugen, Staerke im Angriffsraum. Mir ging es jedoch auch um die Werte und die Kultur, die wir dort weitergegeben haben."

Zur Zeit sind Sie Co Trainer. War diese Position fuer Ihren Fortschritt noetig?

"Unbedingt. Ausser zu Beginn war ich immer Haupttrainer. Ich wollte jedoch den Blickwinkel wechseln, diverse Fuehrungsarten studieren und mich so weiterbilden. Das tue ich nun mit grosser Zufriedenheit, verliere mein Ziel aber nicht: Ich strebe wieder die Chefposition an. Die Zusammenarbeit mit Liam Rosenior und heutzutage Gary O’Neil bestaetigt, dass ich Wert beitrage, doch meine eigentliche Leidenschaft ist die oeverliche Leitung."

Waeren Sie bereit fuer eine Rueckkehr nach Portugal als Cheftrainer eines Grossvereins?

"Ja, ich fuehle mich bereit. Es fehlt lediglich die UEFA Pro Lizenz, die formell erforderlich ist, um Chancen zu nutzen. Ich brauche das Papier nicht, um mich faehig zu fuehlen, aber ich achte den Ablauf. Eine Rueckkehr in meine Heimat waere etwas Besonderes. Allerdings steht meine Familie an erster Stelle. Passt der Rahmen, uebernehme ich gerne die Verantwortung."

Wie werden portugiesische Trainer im Ausland gesehen?

"Bei Chelsea wurde mir klar, dass Jose Mourinhos Name weiterhin Wirkung entfaltet. Er und sein Stab haben uns Wege geebnet. Portugiesische Trainer werden als hochanpassungsfaehig, taktisch wandelbar und sozial versiert betrachtet. Diese menschliche Seite ist ueberall vorteilhaft. Ich beobachte diese Staerke bei Portugiesen in diversen Bereichen und bin stolz, dazuzugehoeren."

Wie bekommt Ihnen das Dasein im Elsass und die Tätigkeit im Klub?

"Strassburg ist herrlich - ueppig, doch entzueckend. Der Verein hat uns herzlich empfangen. Praesident Marc Keller und Akademie Chef Francois halfen sogar bei der Suche nach Schulen fuer die Kinder. Der Umzug von England nach Frankreich kurz nach der Geburt meines jüngsten Sohnes war riskant, aber meine Frau beherrscht Französisch perfekt, was vieles abmildert. Meine Kinder sprechen es inzwischen fast besser als ich."

Welche Aufgabe haben Sie im Trainerteam?

"Ich wollte eine frische Perspektive einbringen. Mit meinem Spanisch baue ich enge Bande zu Spielern wie Kendry Paez oder Julio Enciso auf. Taktisch bin ich tief in der Angriffsplanung und der Scoutingsarbeit verankert. Gary O’Neil hoert mir genau zu, zumal ich die Truppe schon vor seiner Zeit kannte. Er hat eine feste Spielidentitaet, gibt mir jedoch Spielraum bei der Ausgestaltung der Offensivzuege."

Hat sich Strassburgs Charakter unter Gary O’Neil gewandelt?

"Der Klub hat trotz des neuen Eigentuemers seine Traditionen gehalten. Marc Keller bleibt der Fels in der Brandung, das Stadion erweitert sich und Talente wie Ouattara sind Stammkrafte. Zu den Trainern: Liam Rosenior war ein Virtuose der Ansprache, Gary O’Neil geht taktisch ins Detail. Der Hauptunterschied liegt hinten: Von Liams druckvollem Manndeckeln sind wir zu einer dichteren, stabileren Formation uebergangen, ohne den Vorstoss zu vernachlaessigen."

In welchem Feld ist der Fortschritt am markantesten?

"Offenbar in der Abwehr. Wir haben nun staerkere Rueckendeckung und Mehrzahlsituationen in der Linie. Gary importiert viel Know how aus dem Abstiegskampf in der Premier League, was uns Balance verschafft hat. Die Spieler meistern beides: intensives Pressing und geordnete Defensive. Das erhoeht unsere Unvorhersehbarkeit."

Welche Spieler haben Sie am staerksten ueberrascht?

"Einige, doch Joaquin Panichelli ragt heraus. Sein Saisonabbruch ist ein Schlag. Er verkörpert Fleiss und opfert sich fuer die Mannschaft. Im Strafraum besitzt er einen angeborenen Riecher fuer Tore. Ich bin ueberzeugt, er kehrt nach dem Knieproblem noch gefestigter zurueck."

Vorige Woche das Pokal Fiasko gegen Nizza. Wurden die Patzer vor dem Rayo Vallecano Duell korrigiert?

"Ja, das ist unser Kerngeschaeft. Gegen Nizza kontrollierten wir den Ball, verpulverten aber unsere Gelegenheiten. Sie waren treffsicherer. Am Ende siegt, wer mehr trifft. Wir legen das hinter uns und fokussieren auf Rayo. Das wird ein anderes Kaliber, da es ueber zwei Begegnungen geht - aehnlich wie gegen Mainz, wo wir nach dem ersten Spiel im zweiten massiv zunahmen."

Unterscheidet sich die Planung fuer ein K.o Spiel mit Hin und Rueckrunde?

"Die Grundlage bleibt, doch die mentale Ansage verschiebt sich. Man weiss, dass man im zweiten Akt noch anpassen kann. Gegen Mainz mussten wir im Rueckspiel mehr wagen und haben den Widersacher laehmten. Es kommt auf die Auswertung des Hinspiels und die Anpassung der Taktik an. Wir freuen uns auf das, was Madrid bringt."

Wie bewerten Sie Rayo Vallecano? In der Liga muhsam, in Europa bisher stark.

"Gary O’Neil hat da tolle Vorarbeit geleistet. Er kennt Rayo genau, denn Inigo Perez verfolgt Aehnliches wie Andoni Iraola in Bournemouth. Diese Ueberlaepelungen ziehen wir in die Vorbereitung heran. Rayo ist robust, kampflustig und spielt direkt. In Vallecas muessen wir hochkonzentriert bleiben, um uns eine vorteilhafte Position fuer das Rueckspiel in unserer Festung zu sichern."

Trauen Sie sich den Titel zu?

"Wir sind fest ueberzeugt. Das gilt sicher auch fuer Rayo, Crystal Palace und Schachtar. Wir haben viel hineingesteckt, um hier zu sein. Nun kommt es auf Madrid an. Wir streben ein gutes Resultat an, um den Traum vom Endspiel in Deutschland wachzuhalten. Wir besitzen den Willen, das Zutrauen und die totale Konzentration."