DFB als Selbsthilfeverein? Ein Kommentar zur mangelnden Leistungsorientierung unter Nagelsmann
Es ist nichts Ungewöhnliches, dass in den Sozialen Medien Kritik an der Auswahl von Nationalspielern geäußert wird, doch die Schärfe und Einheitlichkeit dieser Kritik ist derzeit stärker als je zuvor. Julian Nagelsmann hat offenkundig Fehlentscheidungen getroffen und diese so dargestellt, als ob der DFB ein reiner Vergnügungsklub wäre, in dem es keine Ergebnisse gibt, sondern das Wohl der Athleten priorisiert wird.
Selbstverständlich haben geistige Gesundheit und Menschlichkeit oberste Priorität, allerdings bezieht sich das auf das private Leben und nicht auf die Planung des Kaders für die deutsche Nationalelf. Hier sind deutliche Fehler passiert, die der Trainer mit einer Erklärung zu kaschieren versucht. Im Kontext von Woltemade erklärte er, er "die Wahl hätte", entweder einem "Topstürmer", der "gut drauf" sei, "noch mehr Selbstvertrauen geben" zu können, oder einem "Topstürmer, der nicht ganz so gut drauf" sei, "nicht fallen" zu lassen.
Das ist ein peinlicher Zustand für eine Nation, die vor zwölf Jahren in Rio die Fans begeisterte, als Thomas Müller fünf Treffer erzielte, Götze und Klose jeweils doppelt trafen und sogar André Schürrle, der von vielen bezweifelt wurde, dreimal zum Scoren kam. Fünf Offensivkräfte aus vier unterschiedlichen Klubs waren involviert und der Plan ging auf. Heute klammert man sich an vergangene Erfolge und an Spielern, die nur bei gutem Wetter glänzen.
Berühmte Namen vor tatsächlicher Leistung
Keine Berufung für Jonathan Burkardt (15 Partien / 9 Treffer), keinen Maxi Beier (25 Partien / 15 Beteiligungen am Tor), stattdessen Nick Woltemade, der sein letztes Goal für Newcastle im Vorjahr erzielte. Es fehlt an einer klaren Strategie, stattdessen herrschen vage Konzepte, die die harten Leistungen der Spieler ignorieren, die monatelang alles geben, um am Weltmeistertraum teilzuhaben.
Leroy Sané hat in diesem Jahr eher durch Verletzungen und eine Rotsperre aufgefallen als durch starke Spiele, während Karim Adeyemi auf Vereinsebene ein echtes Hoch erreicht hat und eine Einladung zu den Länderspielen mehr als verdient hätte. Die Aufzählung könnte endlos fortgesetzt werden, doch die Weltmeisterschaft wird zeigen, ob dieser Ansatz funktioniert. Sollte der DFB den Erwartungen nicht gerecht werden, könnte es das finale große Turnier für Julian Nagelsmann bedeuten.