Rollendiskussionen und Bedenken im Mittelfeld: Nagelsmann hochmotiviert
Anstelle von Pavlovic wegen Hüftproblemen und Nmecha aufgrund eines verletzten Außenbands im Knie nahm Nagelsmann am Montag in Herzogenaurach Angelo Stiller und seinen Vereinskameraden Chris Führich aus Stuttgart in die Nationalmannschaft auf. Jamal Musiala war bereits früher ausgefallen, zudem sind Nathaniel Brown mit einem Fußleiden und Jamie Leweling durch eine Wadeverletzung beeinträchtigt.
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Trotz allem ist der Nationaltrainer fest entschlossen, aus den Testspielen gegen die Schweiz am Freitag (20.45 Uhr über RTL) in Basel und drei Tage später gegen Ghana in Stuttgart (20.45 Uhr bei ARD) das Maximum herauszuholen.
"Die verfügbare Zeit möchten wir optimal einsetzen", erklärte er. Absagen seien, wie Vizekapitän Joshua Kimmich im SWR betonte, stets "schmerzhaft", doch das ändere nichts am Kernprinzip: "Wir sollten brennend darauf aus sein, als Team Fortschritte zu machen, um bei der WM eine starke Rolle einzunehmen."
Kimmich wies damit auch auf die schwierige Terminplanung in der entscheidenden Phase bei den Vereinen hin. Auch wenn es in den Klubs derzeit um Meisterschaften und Pokale gehe, müsse jeder "echten Elan" für die DFB-Auswahl mitbringen, forderte er im Hinblick auf das ambitionierte WM-Ziel. Weltmeistertitel, das weiß Nagelsmann, werden bereits lange vor dem Wettbewerb vorbereitet.
Reservespieler erhalten Chancen zur Demonstration
Deshalb hat er einen detaillierten Ansatz entwickelt. Im Vordergrund stehen die "Rollendiskussionen" insbesondere mit denen, die bei der WM mit einer Rolle in der zweiten Reihe vorliebnehmen müssen. Zusätzlich sollen die Anfänger Lennart Karl und Jonas Urbig sowie bisher wenig getestete Ersatzkräfte wie Anton Stach oder Josha Vagnoman "Gelegenheit" zur Vorstellung erhalten.
Stachs Aussichten haben sich durch die Ausfälle der Stammkraft Pavlovic und der primären Sechser-Option Nmecha verbessert. Für die Position im "Mittelfeld" an der Seite von Leon Goretzka sieht Nagelsmann neben dem Leeds-Profispieler noch Stiller und Pascal Groß als Alternativen.
Auf taktischer Ebene plant Nagelsmann in den vier eigentlichen Trainingssessions "keine weiteren Experimente", sondern möchte die Sequenzen "verfestigen", die das Team durch eine holprige Qualifikationsphase getragen haben. Ergänzend will er "einige Elemente aus der EM übernehmen, die wir als Erweiterung hinzufügen möchten". Das Ziel: "Deutlich höhere Flexibilität" für das große Turnier in den USA, Mexiko und Kanada.
Dort, so unterstrich der Nationaltrainer, müsse sein Team "vorbereitet" sein auf Unvorhergesehenes. Sollte der Gegner "stark kontern" auf den Grundplan oder "wir keinen besten Tag haben", sei ein Alternativplan notwendig. Die Anpassung möchte Nagelsmann "sehr unkompliziert" gestalten und "von einer Formation zur nächsten nur mit präzise zwei Positionsänderungen" wechseln.
Diese Anpassungsfähigkeit soll kompensieren, dass der vierfache Weltmeister beim Versuch, den fünften Titel zu holen, nach Nagelsmanns Ansicht "nicht den stärksten Kader der Welt" hat. Umso essenzieller sind Gruppenzusammenhalt und Motivation, letztere erwartet der Trainer besonders von seinen Bayern-Spielern. "Sie stehen für eine außergewöhnlich starke Einstellung", sagte er, "und einen unstillbaren Drang, jedes Match zu siegen."
Die verbleibenden sechs Bayern-Stars sollen "idealerweise" zu "zwei positiven Ergebnissen" beitragen. Falls das aufgrund der vielen Herausforderungen nicht klappt, hat Nagelsmann Vorsorge getroffen: "In dem Fall", hob er hervor, "geht die Welt nicht unter". Entscheidend für die WM.