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Korruptionsaffäre erschüttert tschechischen Fußball Zahlreiche Spitzenvertreter in Haft

Korruptionsaffäre erschüttert tschechischen Fußball Zahlreiche Spitzenvertreter in Haft

Die Leitung des Tschechischen Fußballverbandes (FAČR) rief unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Affäre eine dringende Versammlung des Exekutivrats zusammen. Anschließend bestätigte Präsident David Trunda in einer Medienrunde die laufenden Untersuchungen und betonte, dass diese das Ergebnis von drei Jahren intensiver Arbeit darstellten. Der Verband habe "bereits seit geraumer Zeit" eng mit den Behörden kooperiert.

Das Nationale Zentrum zur Bekämpfung organisierter Kriminalität (NCOZ) teilte der tschechischen Press-Agentur ČTK mit, dass ein Ermittlungsverfahren im Gange ist. Nach Berichten von ČTK prüft der FAČR den Vorfall und plant eine offizielle Stellungnahme, sobald alle relevanten Daten vorliegen.

"Unsere Einheit leitet derzeit ein Strafverfahren. Die Weitergabe von Details obliegt ausschließlich der Oberstaatsanwaltschaft in Olmütz", erläuterte NCOZ-Sprecher Jaroslav Ibehej. Quellen wie iSport.cz melden Beteiligung von Europol und Interpol. Die Berichterstattung deutet auf polizeiliche Maßnahmen im Zusammenhang mit Spielen der ersten Liga und Jugendmannschaften hin.

"Seit 6:00 Uhr früh findet eine umfangreiche Durchsuchungsaktion statt, vermutlich die größte in der Geschichte des tschechischen Fußballsports", so eine Nachricht des FAČR-Präsidenten David Trunda an die Exekutivmitglieder. "Der Verband hat diesen Fall angestoßen. Wir kooperieren seit Langem mit den Ermittlungsbehörden, um unredliche Handlungen aufzudecken", fuhr er in der Pressekonferenz fort.

Seiner Aussage nach wurden 47 Disziplinarverfahren eröffnet. Die Operation umfasst keine Mitglieder der FAČR-Führung. Der Verband hielt die UEFA von Beginn an über die Entwicklungen auf dem Laufenden.

"Die Ethik-Kommission startet heute ein Verfahren gegen über 40 Beteiligte aus Spieler, Funktionsträger, Schiedsrichter und Vereine, einschließlich Klubs aus der Top-Liga bis zur vierten Division sowie Jugendaltersstufen", so Trunda nach iSport.cz.

Der Oberstaatsanwalt von Olmütz, Radim Dragoun, gab an, dass Dutzende Personen in Gewahrsam genommen und deren Wohnungen sowie weitere Orte durchsucht wurden, wie auf der Seite der Staatsanwaltschaft ersichtlich ist.

Der größte Korruptionsfall im tschechischen Fußball bisher ging 2004 über die Bühne. Basierend auf Abhöraktionen der Polizei wurden diverse Funktionäre, Schiedsrichter, Delegierte und einflussreiche Verbandsmitglieder sanktioniert. Zentralfigur war der Ex-Manager von Zizkov, Ivan Horník.

Erstliga-Klubs in den Fokus der Untersuchungen

Nach iSport.cz zielen die polizeilichen Ermittlungen hauptsächlich auf die Region Mähren und umfassen Partien der Elite und Jugendbereiche. Unter den Verdächtigen: Jan Wolf, Bürgermeister von Karviná und Eigentümer des MFK Karvina, der Spieler Samuel Sigut und ein renommierter Schiedsrichter. Eine Stadtsprecherin wies Interventionen im Gemeindehaus zurück. Wolf schwieg zu dem Thema.

Vertreter von Top- und Unterligavereinen, die ČTK heute in der Gegend befragte, zeigten sich ahnungslos bezüglich der morgendlichen Polizeieinsätze. Betroffen sind Erstligisten wie Olmütz, Ostrau, Zlin, Slovacko und Mlada Boleslav sowie Prostejov, Kromeriz und die Brünner Teams Artis und Zbrojovka aus der zweiten Division.

Auch der Klub FC Zlinsko in Otrokovice, der sich auf Nachwuchsförderung spezialisiert, taucht in Medienberichten zum Fall auf. Vorstandschef Rostislav Zálešák und Manager Tomáš Macek teilten der ČTK mit, nichts von polizeilichen Zugriffen auf ihren Verein zu wissen.