Wir haben Unrecht erlitten: Real Madrid macht den Schiedsrichter zum Sündenbock

Wir haben Unrecht erlitten: Real Madrid macht den Schiedsrichter zum Sündenbock

Die unbesiegbaren Könige fühlten sich ihres gewohnten Throns brutal entrissen und äußerten zornig eine Kränkung ihrer Würde. "Ein Witz!", wetterte der Mittelfeldheld Jude Bellingham, der Nationalmannschaftsspieler Antonio Rüdiger verschloss sich vorsorglich die Lippen. Der Trainer Álvaro Arbeloa ging ebenfalls gegen den Sündenbock Slavko Vincic vor und blendete das Unausweichliche aus, nämlich seine Absetzung nach der kommenden Saison ohne Erfolge.

Die Blätter Marca und AS betrachteten das 3:4 (3:2) Spektakel beim FC Bayern als "ehrenhaften Ausstieg" für Real Madrid aus der Champions League. Nach dem schmerzhaften Viertelfinalaus sagte die Vereinsikone Jorge Valdano jedoch offen, was Arbeloa noch nicht einsehen wollte. Am Ende werde "der Coach gewiss einer der Betroffenen sein, die dafür büßen müssen".

Real wirkte selten wie ein Einheitsteam

Im Pokalwettbewerb scheiterte Madrid unter Arbeloa an einem Aufsteiger aus der zweiten Liga. In der Liga ist der Abstand zum großen Rivalen FC Barcelona vermutlich bereits unüberwindbar. Arbeloa, der im Januar von Xabi Alonso das Ruder übernommen hatte, erklärte, er wolle "mit allen Vereinsentscheidungen klarkommen", und ergänzte: "Es dreht sich jetzt nicht um mich oder meine Perspektive", sondern um den Klub.

In München zeigte Real trotz einiger Stärken ein erbärmliches Bild. Ein echtes Team? Weit gefehlt! Als sich Bellingham beim Offensivstar Vinicius Junior beschwerte, weil der ihn in einem schnellen Angriff ignoriert hatte, fauchte der Brasilianer zurück: "Was erwartest du? Sei still!" Das war jedoch nur der Auftakt zum großen Lamentieren nach Abpfiff über die (regelgerechte) Gelb Rot Karte für Eduardo Camavinga.

Der junge Talent Arda Güler beleidigte den Schiedsrichter Vincic und erhielt zuerst Gelb, dann Rot. Der stellvertretende Anführer Dani Carvajal sprang von der Ersatzbank hoch und schrie dem Unparteiischen zu: "Es ist deine Schuld, deine elende Schuld!" Die Medien fielen ein. "Welch Unrecht!", schrieb Marca in der Überschrift, AS formulierte: "...bis der Schiedsrichter zuschlug".

"Das Team benötigt frisches Blut"

Auch Arbeloa gab sich dem Mitleid hin. "Es schmerzt tief, es tut wirklich weh. Besonders die Umstände", sagte der gezeichnete Trainer. Den Platzverweis "begreift niemand. Wir wurden unfair behandelt." Trotzdem werde er Real "bis zum allerletzten Moment" treu dienen.

Dieser Moment könnte früher eintreten, als ihm recht ist. Vor dem Hintergrund einer zweiten trockenen Saison in Folge, was seit 2009/10 nicht mehr vorgekommen ist, schaute Valdano indes über das Trainer-Schicksal hinaus. "Das Team erfordert Verstärkungen", betonte er, "das ist zweifelsfrei" und war die ganze Spielzeit über klar, nicht nur in München.

Ein Kaderneubau läge in der Verantwortung eines neuen Sportchefs. Dass der Realheld Toni Kroos die offene Stelle übernimmt, wie kürzlich gemutmaßt, hält man für unwahrscheinlich. Der Weltmeister von 2014 formt in seiner Akademie in Madrid die nächste Riege, möglicherweise auch für Real.