Vom Trainerposten zum Planungszentrum: David Wagners Auftrag in der RB-Jugendakademie
Sein beruflicher Wechsel erfolgt in Leipzig aus einem spezifischen Grund, der auf starkem Vertrauen in die Vereinsleitung basiert: "Ich habe volles Vertrauen in die Leitungspersonen wie Jürgen Klopp bei Red Bull Soccer und Marcel Schäfer bei RB Leipzig", sagt Wagner. Die Herausforderung, Veränderungen mit der typischen Red-Bull-Dynamik voranzutreiben, fasziniert ihn besonders.
Nach den ersten neun Monaten in der Position zeigt sich, dass Wagner seine globale Erfahrung einsetzt, um die deutschen Trainingsmethoden zu überdenken. Der Kontrast zu England beschäftigt den Nachwuchsleiter besonders. Auf der Insel spielen Talente im Alter von 16 bis 19 Jahren bis zu 65 Pflichtspiele pro Saison, während die U19 in Leipzig meist nur die Hälfte davon schafft.
Wagner bemängelt die Einstellung in deutschen Akademien
Wagner plädiert daher für eine deutliche Erhöhung der Spielanzahl und fördert neue Wettbewerbsformate wie die U21-Liga oder den Premier League International Cup. "Die Engländer handhaben grundlegende Aspekte effektiver als wir", fasst Wagner zusammen und möchte diese Differenz durch intensiveren Spielbetrieb ausgleichen.
Ein Kernstück von Wagners Ansatz ist der Verzicht auf reines Erfolgsstreben im Jugendentwickeln. In einem Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung kritisierte er die starre deutsche Haltung: "In Deutschland trainiert man die ganze Woche, um am Wochenende ein Ergebnis zu holen, und nicht, um einen Spieler weiterzuentwickeln."
Für Wagner stellt das einen grundlegenden Irrweg dar. Er fordert von den Jugendtrainern einen grundlegenden Wandel: Der Schwerpunkt muss auf der persönlichen Fortschritt des Talents ruhen, nicht auf dem Platz in der Tabelle am Samstagnachmittag. Erst so entsteht die Stufe, die für den Einstieg in den Profibereich von RB Leipzig erforderlich ist.
Um diese Standards zu sichern, holt Wagner erfahrene Kollegen mit internationaler Expertise an Bord. Der Waliser Steve Weaver, ein Routinier als Sportdirektor in der Akademie, bringt über 20 Jahre Premier-League-Erfahrung mit.
Ziel? "100 Einsätze im Profiteam"
Die Zusammenarbeit zwischen den beiden funktioniert schon aus früheren Stationen in Huddersfield und Norwich. Wagner weiß, warum er auf Weaver setzt: "Er hat mir oft Spieler ins Training geliefert, bei denen ich dachte, das sind echt starke Talente (...). Er versteht es einfach." Diese Außenperspektive soll die Ausbildung in Leipzig aufwerten.
Das oberste Ziel von Wagners Einsatz ist präzise umrissen: Es dreht sich um langfristigen Erfolg, nicht um kurze Auftritte. Ein Talent gilt für den Leiter als erfolgreich eingebunden, wenn es zu einem festen Bestandteil der Profimannschaft wird. "Nachhaltig bedeutet für mich, dass jemand aus unserer Jugend zum Beispiel 100 Partien für die Profis absolviert", erklärt Wagner in einem Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung.
Er erkennt, dass das für den jungen Klub eine hohe Anforderung ist, die bislang unerreicht blieb. Gerade diese Zielsetzung motiviert ihn: "Genau das macht die Stelle so faszinierend."