VfL in der Krise: "Kultur des Klubs nicht bundesligatauglich"

VfL in der Krise: "Kultur des Klubs nicht bundesligatauglich"

Im Anschluss an die jüngste Niederlage und den Absturz auf einen Relegationsplatz stand beim VfL Wolfsburg nicht nur die Position von Coach Daniel Bauer in Frage, einige Kommentare nach der klaren 0:4 (0:3) Pleite gegen den VfB Stuttgart zeigten auch tiefe innere Konflikte bei den Niedersachsen. "Es ist eine Tatsache, dass wir zahlreiche Strukturen umstellen müssen, dass die Stimmung und die Kultur im Verein derzeit nicht für die Bundesliga geeignet sind. Wir benötigen ein neues Denken in der gesamten Organisation", erklärte der belastete Bauer bei DAZN.

Davor hatte bereits Yannick Gerhardt, der seit einem Jahrzehnt beim VfL spielt, die Alarmglocke geläutet und ungewöhnlich direkt hervorgehoben, dass "der Klub nicht in Ordnung ist. Die Sache ist hochkomplex." Deshalb sprach Bauer von einem "sehr anspruchsvollen Pfad. Am Ende des Tages zeigt sich alles ein wenig auf dem Rasen wider." Sogar der Sportdirektor Peter Christiansen hatte in der Vorwoche Schwachstellen im Verein zugegeben: "Wir können nicht behaupten, dass alles an Daniel Bauer liegt. Es betrifft den gesamten Klub."

Trotzdem: Ob Bauer, der im November Paul Simonis ersetzt hatte, nach 14 Partien mit acht Malen unterlegen bleiben darf, wird sich wohl am Montag klären. Als möglicher Nachfolger wird nach kicker Quellen der ehemalige Trainer Dieter Hecking gehandelt. Es gibt demnach "ernsthafte Diskussionen", ein zweites Mal in dieser Spielzeit den Coach zu wechseln. Der 61 Jährige war von 2013 bis 2016 bereits in Wolfsburg tätig und holte in dieser Periode mit dem Team den DFB Pokal sowie den Supercup.

Der Druck auf den VfL in der schwächsten Saison der Klubgeschichte wächst ohnehin stetig. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) ist ein Erfolg im Duell gegen den Aufsteiger Hamburger SV essenziell.

Er sei "völlig entschlossen, alles dafür zu geben. Doch ich treffe die finale Entscheidung nicht", meinte Bauer am Sonntagabend. Ein Frist von den Verantwortlichen sei "nicht erteilt worden". Wichtig sei nun, so der 43 Jährige, "dass wir das Match ordentlich analysieren und die entscheidenden Punkte erkennen".

Auf jeden Fall für Gerhardt: "Die Lage ist äußerst düster. Die Tabelle täuscht derzeit nicht. Der Verlauf ist überwältigend. Dieser Kontrast zwischen Erwartung und Wirklichkeit ist zu stark", betonte er und appellierte: "Wir sollten nicht mehr über Potenzial sprechen. Wir müssen die Athleten ausfindig machen, die das über die Runde bringen. Wir haben den Anspruch, Bundesliga Profis zu sein, und das müssen wir unter Beweis stellen."