Vereinsloser Nationalheld: Nyland navigiert Norwegen durch den WM-Traum

Vereinsloser Nationalheld: Nyland navigiert Norwegen durch den WM-Traum

"Es ist schwer, meine Emotionen in Worte zu fassen", sagte der aktuell vereinslose 35-Jährige ergriffen, "es ist so ein unglaubliches Gefühl, das beste Gefühl jemals." Denn das norwegische "Wikingerschiff" ist auf einer immensen Euphoriewelle mittlerweile bis ins Viertelfinale gerauscht, das liegt zu großen Teilen auch an Nyland. Und am Samstag (23.00 Uhr/MagentaTV) wartet mit England schon der nächste Fußball-Gigant.

Zum Match-Center: Norwegen vs. England

Der Torwart mit der bewegten Geschichte ist mittlerweile nicht nur in seiner skandinavischen Heimat in aller Munde. Ein Fan benannte sich dort kurzerhand nach den beiden norwegischen Hauptdarstellern des Krimis gegen Brasilien, der Mann heißt nun Vidar Nyland Haaland Midttun; und der Torhüter selbst saß nach seiner Glanzleistung im amerikanischen Late-Night-Talkformat "After Hours with James Corden" - der Hype kennt keine Grenzen.

Vergangenheit in der Bundesliga

Es ist ein Aufstieg, den Nyland vor über zehn Jahren kaum jemand zugetraut hätte. Lange bevor er nämlich Brasiliens Ballkünstler an den Rand des Wahnsinns trieb, lief der Keeper 2015 in der Bundesliga für den FC Ingolstadt auf. "Örjan war damals schon ein Vollprofi, der im Spiel etwas ausstrahlt", sagte FCI-Geschäftsführer Harald Gärtner dem kicker. "Wenn man ihm das Vertrauen geschenkt hat, dann hat er auch die Unhaltbaren gehalten."

Doch infolge des Abstiegs im Jahr darauf rutschte er bei den Schanzern in die Reservistenrolle. Nach Stationen in England kam Nyland für eine Stippvisite 2022 zurück nach Deutschland zu RB Leipzig, abermals als Ersatztorhüter, ehe er an den FC Sevilla weitergereicht wurde. Auch dort fand er sich irgendwann erneut auf der Bank wieder, letztlich lief sein Vertrag im vergangenen Juni aus.

Nyland hofft auf Zukunft auf Vereinsebene

Der B-Status klebt auf Klubebene geradezu am 35-Jährigen, bei der "Landslaget" ist das vollkommen anders. Gründe dafür gibt es genügend. "Örjan ist fußballerisch gut, im Eins-gegen-eins stark, nur bei hohen Bällen hatte er früher manchmal Schwierigkeiten. Selbst dabei wirkt er nun souverän", sagt Gärtner. Beinahe perplex bekundete auch Nyland selbst nach dem Spiel gegen Brasilien, mittlerweile "ein Gefühl der Unschlagbarkeit" auf dem Platz festzustellen.

Nicht nur um Norwegens WM-Traum weiter zu nähren, auch der Jobsuche wäre ein weiteres "Spiel des Lebens" gegen Englands Supersturm aus Harry Kane und Jude Bellingham zuträglich. Denn geht es nach Nyland, soll das Turnier in Übersee noch nicht sein finales Karrierekapitel sein. Und so eröffnete er auf eine Journalistenfrage nach seinen Zukunftsplanungen im Anschluss an die WM augenzwinkernd: "Jeder weiß, wen er anrufen muss, wenn sie jemanden brauchen."