Uruguay-Trainer Bielsa: Der "verrückte" Taktiker muss liefern

Uruguay-Trainer Bielsa: Der "verrückte" Taktiker muss liefern

"Selbst wenn ich einen Fehler mache, versuche ich immer, eine Lösung zu finden", sagt Bielsa, den alle nur "El Loco" nennen – den Verrückten. Er ist ein Mann, dessen Leidenschaft für den Fußball weit über das normale Maß hinausgeht.

Zum Match-Center: Uruguay vs. Kap Verde

Fußball ist für ihn Obsession. Er gilt als komischer Kauz, eigenwillig, sonderbar, engstirnig und stur. Aber auch als besessenes Taktik-Genie. "Bielsa ist der beste Trainer der Welt. Seine Mannschaften sind Bestien. Ich bewundere seine Arbeit", sagt sein Jünger Pep Guardiola.

Höllisches Tempo, gnadenloses Pressing, überfallartige Angriffe, schnelles Kurzpass-Spiel und kompakte Verteidigung: Das zeichnet Bielsas Mannschaften normalerweise aus – wenn es gut läuft.

Doch der 70-Jährige überfordert seine Spieler auch immer wieder mit seinen hohen Ansprüchen, sein Führungsstil ist umstritten, manche sagen toxisch. Bielsa nimmt keine Rücksicht auf große Namen – Altmeister Luis Suárez etwa hatte unter ihm schnell ausgedient. Und natürlich legt er sich gerne mit der Presse an.

"Niemals aufhören zu attackieren"

So fordert nach dem schwachen Start zum Auftakt gegen Saudi-Arabien (1:1) in der Heimat nicht nur "El País" Umstellungen für die Partie gegen Kap Verde in der Nacht zu Montag (00.00 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV), doch Bielsa wird sich davon kaum beeindrucken lassen. Wenn er einen Plan im Kopf hat, hält er daran auch fest.

"Ich verstehe Fußball nur auf eine Art: Immer hohen Druck aufbauen, das Spiel in die Hälfte des Gegners verlagern und den Ball zu haben", sagt Bielsa, der sich taktische Inspiration auch hin und wieder im Zoo holt: "Und immer attackieren. Niemals aufhören zu attackieren."

Im Mayakoba Training Centre Cancún in Mexiko bereitet Bielsa sein Team natürlich akribisch vor, gegen Kap Verde muss ein Sieg her, sonst könnte Uruguay gegen Europameister Spanien zum Abschluss in Gruppe H womöglich wie schon in Katar das Vorrundenaus drohen.

Bielsas Training ist fast jeden Tag ein Spektakel. Er übersät das Feld mit Hütchen, Spielfiguren und Markierungen und teilt es in ganz viele ganz kleine Zonen ein, in denen sich stets nur ein Spieler bewegen darf. Wie ein Missionar erklärt er immer wieder die Abläufe, bei seinem Ex-Klub Athletic Bilbao soll er mal 27 (!) verschiedene Einwurf-Varianten einstudiert haben lassen.

"Er ist ein Genie", sagt US-Nationaltrainer Mauricio Pochettino. Doch wenn Bielsa mit Uruguay scheitern sollte, werden ihn sicher nicht nur die Fans für verrückt halten.