Tuchel nimmt sich aus der Verantwortung: "Keine Struktur der Welt hätte uns geholfen"

Tuchel nimmt sich aus der Verantwortung: "Keine Struktur der Welt hätte uns geholfen"

England verspielte im WM-Halbfinale gegen Argentinien eine Führung und verlor am Ende mit 1:2. Besonders der Einbruch nach dem Treffer von Anthony Gordon sorgte für Diskussionen. Tuchel verteidigte anschließend seine taktische Ausrichtung und machte deutlich, dass er nicht die Struktur seiner Mannschaft als entscheidendes Problem sieht.

Zum Match-Center: England vs. Argentinien

"Ich denke, Ballbesitz spielt eine entscheidende Rolle", sagte Tuchel laut der Daily Mail. Gleichzeitig räumte der ehemalige Bayern- und Chelsea-Trainer ein, dass Kontrolle mit dem Ball nicht zu den größten Stärken des englischen Teams gehöre. "Es liegt vielleicht nicht so in unserer DNA wie in der spanischen, argentinischen oder brasilianischen DNA. Den Ball zu nehmen und das Spiel sowie den Ball zu kontrollieren, das ist auch ein großes Problem."

Nach Gordons Führungstreffer in der 55. Minute verlor England zunehmend die Kontrolle über die Partie. Die Ballbesitzquote sank deutlich, zwischen der 66. und 86. Minute brachte die Mannschaft nur zwei Pässe zum Mitspieler – beide zwischen Torhüter Jordan Pickford und Verteidiger John Stones.

"Keine Struktur der Welt hätte uns helfen können"

Tuchel sah die entscheidende Schwäche vor allem im Verhalten seiner Spieler nach dem eigenen Treffer. Die Mannschaft habe nicht mehr aktiv genug verteidigt und Argentinien zu viele Möglichkeiten gegeben. "Direkt nach unserem Tor kippte das Momentum komplett in Sachen Ballbesitz und Chancen, und es ging dramatisch bergab. Wir waren innerhalb unserer Struktur zu passiv", erklärte Tuchel.

Tuchel habe versucht, von außen gegenzusteuern und seine Mannschaft nicht noch tiefer zurückzuziehen. "Ich habe versucht zu helfen, nicht noch passiver mit einer Fünferkette zu werden, sondern aktiver zu sein, schneller bei den Flügelspielern zu sein und die Lücken zwischen der Viererkette nicht aufzumachen.

Dennoch sah Tuchel die Probleme weniger in der taktischen Grundordnung als in der fehlenden Umsetzung auf dem Platz: "Ich habe in diesem Moment das Gefühl, dass keine Struktur der Welt uns hätte helfen können, weil wir zu passiv waren. Wir waren nicht körperlich genug. Wir haben es nicht geschafft, die Laufwege in unseren Strafraum zu stoppen, und die Flanken waren dann einfach zu gut", so Tuchel.

Tuchel will Englands Trainer bleiben

Trotz der wachsenden Kritik möchte Tuchel seine Arbeit als englischer Nationaltrainer fortsetzen. Der Deutsche sieht weiterhin Entwicklungspotenzial und glaubt, dass die Mannschaft noch nicht ihr Maximum erreicht hat. "Es gibt immer noch genug zu verbessern, und ich bin mehr als bereit, das zu tun. Ich habe es geliebt. Ich habe jeden Tag genossen", sagte der Ex-Coach von Mainz, Dortmund und Bayern.

Bereits nach dem Spiel gegen Norwegen habe er eine Diskrepanz zwischen Trainingsleistung und Auftritten in den Partien festgestellt: "Ich habe nach dem Spiel gegen Norwegen gesagt, dass ich eine Diskrepanz sehe zwischen dem, was ich im Training auf fußballerischer Ebene sehe, und dem, was dann in den Spielen passiert. Ich denke, wir können uns am Ball noch mehr durchsetzen."